Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still. Leidenschaftlich lieben sich der namenlose Ich-Erzähler, ein Bildhauer, und die junge Olga. Wie im Rausch leben sie in seinem Atelier in Amsterdam und genießen zum Entsetzen von Olgas kleinbürgerlicher Familie ihre Liebe in vollen Zügen. Überraschend wird der Erzähler von Olga verlassen und bleibt verzweifelt und voller Unverständnis zurück. Nach Jahren kommt es zu einem Wiedersehen. Als er glaubt, sie zurückgewonnen zu haben, verliert er sie für immer.
Als Jan Wolkers' Roman "Türkischer Honig" 1969 erschien, löste er erst einen mittelgroßen Skandal aus, wurde dann gefeiert und mauserte sich schließlich zum Klassiker der niederländischen Literatur, erinnert Katharina Borchardt. Gerade sein sexueller Inhalt, den Wolkers offenherzig ausbreitete, machte damals seinen revolutionären Charakter aus, erklärt die Rezensentin. Die neue Übersetzung von Rosemarie Still findet Borchardt großartig und auch Wolkers' betont männliche Erzählperspektive begeistert sie nach wie vor - allerdings ist der Rezensentin aufgefallen, wie biedermeierlich das Frauenbild in Wolkers' Buch noch ist: die Protagonistin Olga wird eigentlich nur qua Beschreibungen ihrer körperlichen Schönheit erfahrbar und ihre eigenen Ziele scheinen sich im nähen, kochen und vögeln zu erschöpfen. Heute stößt bloße Freizügigkeit an ihre "revolutionäre Grenze", findet Borchardt.
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