Willem van Toorn

Als würde ich vor Glück ersticken

Roman
Cover: Als würde ich vor Glück ersticken
Arche Verlag, Zürich und Hamburg 2002
ISBN 9783716023044
Gebunden, 416 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Marianne Holberg. Endlich auch hierzulande zu entdecken: der 1935 geborene niederländische Lyriker und Kafka-Übersetzer Willem van Toorn und sein Kindheitsroman aus dem im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzten Amsterdam, zugleich eine Elegie über die Zerstörung einer Landschaft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2002

Willem van Toorn ist in den Niederlanden als Lyriker, Erzähler und Romancier bekannt, das neuste Buch des 65-jährigen ist jedoch das erste, das ins Deutsche übersetzt wurde. Rezensentin Dorothea Dieckmann versteht nicht so ganz, warum der Autor gerade durch dieses Buch dem deutschen Lesepublikum bekannt gemacht werden soll. Die literarische Qualität überzeugt sie jedenfalls nicht. Dies könnte jedoch auch auf das Konto der Übersetzerin gehen, der Dieckmann "grobe Schnitzer" nachweist. Auch den Titel, im Original einfach "Der Fluss", in der deutschen Fassung zu "Als würde ich vor Glück ersticken" geworden, ist ihr zu dick aufgetragen. Das Thema, die Rückschau des alternden Schriftstellers auf seine frühen Kindheitsjahre in zwischen 1940 und 1945 und der gleichzeitigen Verknüpfung dieses Lebensabschnitts mit der Gegenwart, erscheint ihr wenig originell. Obwohl es sich um eine Kindheit im Krieg handelt, ist der Ton betulich, die kleine Welt des Protagonisten erscheint im Grunde nahezu unversehrt. Das Buch berge eine Fülle von unterhaltsamen, detailreich beschriebenen Einzelszenen aus dem Mikrokosmos Familie, die in einer "idyllischen Flusslandschaft" lebt, führt Dieckmann aus. Die durch den Krieg verursachten Entbehrungen und Ängste treten hinter der kindlichen Erlebniswelt zurück, umschreibt sie die Atmosphäre des Buches. Die Rezensentin äußert die Vermutung, dass hier versucht werde, an das Erfolgrezept des nostalgischen Erinnerungstagebuches anzuknüpfen. Auch die Schnittstelle zwischen Kindheit und Nazizeit habe sich bewährt, wie Maarten´t Harts "Das Wüten der ganzen Welt" bewiesen habe. Ob das Konzept noch einmal aufgeht, wird sich zeigen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.11.2002

In seinem Roman über die eigene Kindheit zu Beginn der vierziger Jahre, als die Deutschen die Niederlande besetzten, wirft der 1935 geborene Schriftsteller und Kafka-Übersetzer Willem van Toorn einen vorsichtigen und gleichzeitig sehr sentimentalen Blick zurück, meint Martin Zingg. Überaus "anschaulich" lasse der Autor vor dem Auge des Leser eine Welt auferstehen, die von ihm, dem fünfjährigen Kind, ganz anders wahrgenommen wurde als von den Erwachsenen. So bringt van Toorn zum Ausdruck, denkt der Rezensent, dass für den kleinen Jungen die Deutschen nicht in sein Leben eingefallen, sondern vielmehr nach und nach "hineingesickert" sind, was er, aus der Sicht des Kindes, mit einer gewissen Normalität wahrgenommen habe. Sehr gekonnt, lobt Zingg, treibt van Toornseine "unaufgeregte Prosa" mit seinem "stillen Erzählduktus" voran, rutscht aber, schränkt der Rezensent ein, hier und da ins "Betuliche" ab.

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