Jason Lutes

Berlin

Gesamtausgabe
Cover: Berlin
Carlsen Verlag, Hamburg 2019
ISBN 9783551768209
Gebunden, 608 Seiten, 46,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heinrich Anders. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete Jason Lutes an seinem großen Comic-Roman über das Berlin der niedergehenden Weimarer Republik. So entfaltet sich ein beeindruckendes Zeitpanorama, in dem der amerikanische Zeichner die Entwicklung von 1928 bis hin zur Machtübergabe an die Nationalsozialisten durch sämtliche gesellschaftliche Schichten nachverfolgt. Diese Neuausgabe vereint Jason Lutes' Comic-Trilogie erstmals in einem Band.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2019

Als Jason Lutes Mitte der Neunziger in Seattle mit der Arbeit an einem episch angelegten Comicroman über das Berlin der späten Zwanziger begann, da war das ein durchaus abwegiges Projekt - nicht nur, weil Lutes nie in Berlin gewesen war, weiß Thomas von Steinaecker. 23 Jahre später fällt der Abschluss der Comic-Trilogie in eine Zeit, in der, vor allem wegen Volker Kutschers Gereon Rath-Zyklus und ihrer Serien-Verfilmung "Babylon Berlin", die Epoche der Berliner Roaring Twenties gerade Hochkonjunktur hat. Das ist nicht ganz ungefährlich, weil sich Vergleiche aufdrängen und manche Mittel, etwa das Auftreten historischer Figuren in einem ansonsten fiktionalen Geschehen, als Masche erkenntlich werden, stellt der Rezensent fest. Auf "Berlin", in dem es um die aus dem rigiden Köln ins freie Berlin flüchtende Marthe geht, die zunächst eine Affäre mit einem älteren Journalisten beginnt und später mit ihrer lesbischen Kommilitonin Anna zusammenzieht, trifft das allerdings höchstens punktuell zu, versichert von Steinaecker, zu souverän ist Lutes' an der Ligne claire geschulter Zeichenstil, zu eigenständig seine analytisch-unaufgeregte Erzählweise. Für den Rezensenten hat das Buch ganz zweifellos "das das Zeug zum Klassiker".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2019

Comics und Geschichte gehen doch ganz gut zusammen, freut sich Christian Gasser und stellt zwei Bände vor, die sich ihres Sujets auf denkbar unterschiedliche Weise annehmen. Während Pascal Rabaté in "Der Schwindler" von den Verwerfungen der russischen Revolution allein aus der Perspektive seines Hochstapler-Helden erzählt, entwirft Jason Lutes ein ganzes historisches Panorama von Berlin zur Zeit der Weimarer Republik. Zwar sei die junge Kunststudentin Marthe Müller eindeutig die Hauptprotagonistin dieser Geschichte, doch um sie herum drappiere Lutes eine Vielzahl anderer Personen: Proletarier, Beamte und Bonzen, Kommunisten und Nationalsozialisten. Das sorgt für Distanz, räumt der Rezensent ein, ebenso wie Lutes' Ligne-Claire-Stil und die kleinformatigen Panels. Aber in seiner analytischen und historischen Tiefe sei dieser band einzigartig.

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