Jean-Philippe Toussaint

Fernsehen

Roman
Cover: Fernsehen
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt 2008
ISBN 9783627001513
Gebunden, 243 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Mit dem Fernsehen ist für den Erzähler, ein Kunsthistoriker mit Stipendium in Berlin, endgültig Schluss. Die Familie ist im Urlaub und die lang aufgeschobene Studie über den Maler Tizian wartet auf ihre Vollendung. Doch die TV-Abstinenz stellt den begeisterten Sportzuschauer auf eine harte Probe. Ein fortwährendes Gefühl des Mangels sucht ihn heim, ein diffuser Schmerz. So gibt er sich dem Müßiggang hin, beginnt eine Odyssee durch das sommerliche Berlin, eine Erkundungsreise durch Ost und West. Eine Odyssee, an deren Ende jedoch die Einsicht in die Macht des Fernsehens steht - und der Erwerb eines Zweitgeräts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.02.2009

Nie wieder fernsehen. Mit Jean-Philippe Toussaint, findet Joseph Hanimann, kann es gelingen. Doch nicht, weil Toussaints Held seinem Vorsatz treu bleibt und so zu einem anderen Sehen gelangt! Das reizvolle und "souverän" übersetzte Buch mit seiner "smarten Komik" macht Hanimann einfach zum glücklichen Leser. Läuft der Autor, wie der Rezensent einräumt, in diesem frühen Werk auch noch nicht zu kompositorischer Hochform auf, seine Fähigkeit zur "scharf geschilderten Verhaltensanatomie" und zur Antiklimax wirken auf Hanimann allemal überzeugend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2008

Mit großem Vergnügen hat Rezensent Georg Renöckl das neue Buch des belgischen Schriftstellers Jean-Philippe Toussaint gelesen. Der Roman um einen französischen Kunsthistoriker, der während eines Forschungsaufenthalts in Berlin eine Arbeit über Tizian verfassen möchte, aber unter einer Schreibblockade leidet, ist in seinen Augen eigentlich ein Roman über das Nichtstun, in jedem Fall findet er das Werk absolut treffsicher und höchst komisch. Dass Toussaint als Autor des "Nouveau Nouveau Roman" gilt, sollte den Leser nach Ansicht von Renöckl bloß nicht abschrecken. Schließlich hält er das Buch nicht nur für überaus amüsant, sondern auch für ein "Fest der Sprache". Er bescheinigt dem Autor Komik und ein "Talent für Slapstik". So verfremde Toussaint scheinbar Vertrautes durch den "mikroskopisch genauen Blick" und lege das "komische Potenzial alltäglicher Verrichtungen, Begegnungen und Beobachtungen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2008

Rezensentin Ina Hartwig hat sich mit Jean-Philippe Toussaints Roman "Fernsehen", der bereits 1997 im Original erschien und nach einer vor 7 Jahren unbeachtet gebliebenen Taschenbuchausgabe nun als Hardcover vorliegt, glänzend amüsiert. Sie preist das Buch, in dem ein französischsprachiger Kunsthistoriker zu Studienzwecken in Berlin weilt und dort mit "teutonischem Irrsinn" Bekanntschaft macht, die Freikörperkultur entdeckt und sich das Fernsehen abzugewöhnen versucht, als wirklich komischen Berlin-Roman. Und auch an Selbstironie fehle es Toussaint nicht. Der belgische Autor, so weiß die Rezensentin, war 1993 als Gast des DAAD in Berlin und so darf man annehmen, dass es sich bei dem Text auch um eigene Erfahrungen handelt. Hartwig kann nur hoffen, dass das Buch nun die Beachtung findet, die es verdient, denn ein witzigeres Buch über das Berlin der 90er kann sie sich kaum vorstellen.

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