Mit Abbildungen. Als der Belgier Henry van de Velde um 1900 nach Berlin kam, war er ein Star. Nicht nur in der deutschen Hauptstadt, überall, wo man sich im deutschen Kaiserreich nach neuester Mode einrichten wollte, wurden Möbel und ganze Gebäude bei dem exzentrischen Geschmacksdiktator bestellt. Van de Velde, der mit Dandys, Industriellen und Künstlern um Harry Graf Kessler und Hugo von Hofmannsthal gegen bourgeoise Spießigkeit zu Felde zog und das Leben als Gesamtkunstwerk inszenierte, stieg auf - und wieder ab. 1914 wurde der Belgier zum feindlichen Ausländer und musste in die Schweiz fliehen. Wie sehr er da schon die deutsche Städtelandschaft geprägt hatte, ist in den Treppenhäusern, Wohnungen und Villen unserer Städte unübersehbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012
Ausführlich und ein wenig mäandernd, insgesamt aber positiv bespricht Schriftsteller Martin Mosebach diesen Band über einen berühmten Kunsthandwerker und seine Dichterhäuser. Das späte 19. Jahrhunderts setzte gegen die aufkommende Serienproduktion und Industrialisierung die Idee des Handgemachten und lud sie sogar mit großem Pathos auf, schildert Mosebach, der dieser Idee Sympathie, aber auch Ironie entgegenbringt. So ganz zu überzeugen scheinen ihn die Interieurs van de Veldes nicht, die ihn in einer abschließenden Bemerkungen an "bauchige Barockkommoden" erinnern. Aber die Beschwörung dieser Zeit durch Muschelers Buch beschreibt er als lehrreich und unterhaltsam.
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