Jean-Pierre Wils

Sich den Tod geben.

Suizid als letzte Emanzipation?
Cover: Sich den Tod geben.
Hirzel Verlag, Stuttgart 2021
ISBN 9783777629407
Gebunden, 200 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Neue Perspektiven für die Debatte um Sterbehilfe. Über das Recht auf einen assistierten Suizid wird seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 auch in Deutschland leidenschaftlich diskutiert. Der Philosoph und Theologe Jean-Pierre Wils verneint nicht die Autonomie, fragt aber - auf der Grundlage seines profunden historischen und ethischen Wissens - nach den sozialen Folgen: Führt das Recht auf Suizidhilfe auf Dauer nicht zur Pflicht, sich dafür oder dagegen entscheiden zu müssen? Und nimmt nicht der Druck hin zur vermeintlich vernünftigen Entscheidung zu, sobald die Herbeiführung des eigenen Todes als ein letzter Akt der Selbstverwirklichung und der Emanzipation betrachtet oder gar anempfohlen wird? Wils plädiert eindringlich dafür, die Debatte in einem größeren Kontext zu führen, unsere Endlichkeit der kulturellen Amnesie zu entreißen - und legt so die Grundlagen einer zeitgemäßen Diskussion über die Sterbehilfe.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.08.2021

Rezensentin Stefanie Müller-Frank ist ein wenig überrascht: Der belgische Philosoph und Theologe Jean-Pierre Wils wandte sich stets gegen die Bevormundung von Sterbenden durch "kirchlichen Dogmatismus" und "ärztlichen Paternalismus". Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe, dass die Bestrafung von "geschäftsmäßiger" Beihilfe zur Selbsttötung für verfassungswidrig erklärte, lenkt Wils allerdings ein wenig ein, stellt die Kritikerin fest: Da die Liberalisierung der Sterbehilfe immer mehr voranschreite, warnt der Autor davor, "gutes Sterben als Ideologie" zu betrachten und auf einschränkende Sterbehilfekriterien zu verzichten, klärt Müller-Frank auf. Zudem könne bei alten und kranken Menschen der Druck enstehen, aus dem Leben zu scheiden, um Angehörige nicht zu belasten, liest die Rezensentin. Wils' Plädoyer gegen die Normalisierung des assistierten Suizids und für eine Beschränkung auf Situationen, in denen die Betroffenen untragbares Leid erleben, scheint die Kritikerin mit Gewinn gelesen zu haben.

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