Jeffrey Eugenides

Die Selbstmord-Schwestern

Roman
Cover: Die Selbstmord-Schwestern
Rowohlt Verlag, Reinbek 2004
ISBN 9783498016715
Gebunden, 250 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Mechtild Sandberg-Ciletti, durchgesehen von Eike Schönfeld. Anfang der siebziger Jahre, in einer von Ulmen gesäumten Vorstadtstraße Nordamerikas, richten sich die Blicke einer Schar junger Männer auf ein Haus. Es ist das Haus der Familie Lisbon mit ihren fünf schönen Töchtern: der gescheiten Therese, derpingeligen Mary, der asketischen Bonnie, der scharfen Lux und der blassen, lammfrommen Cecilia. Als sich die jüngste von ihnen aus dem Fenster stürzt, im Sommer, der Zeit der Schlammfliegen, beginnt das "Jahr der Selbstmorde", das die in Baumhäusern, auf Dächern und auf Kühlerhauben versammelten Beobachter für immer verändern wird.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2004

Ursula März ist beeindruckt und macht keinen Hehl daraus. Dieser Roman, das jetzt noch einmal veröffentlichte Debüt von Jeffrey Eugenides, sei geradezu beängstigend komplex, und das literarische Vermögen jederzeit auf der Höhe der Ambition. Wir haben also: eine makabre Geschichte vom kollektiven Selbstmord von fünf Schwestern, die hoch symbolisch ist - "hier stirbt im übertragenen Sinn die Mädchenblüte des Lebens, und im noch höher übertragenen Sinn stirbt, kollabiert, degeneriert hier die ganze Natur". Der Tod pubertierender Mädchen, eine Insektenplage, der Streik von Totengräbern ergeben das "Bild einer Apokalypse". Wir haben außerdem eine ausgewachsene psychosoziale Groteske und ein Arsenal von Anspielungen, die den Roman vielfach mit der abendländischen Geistesgeschichte verstricken. "Das parodistische Handwerk sitzt bei Eugenides perfekt", schreibt März. "Die klassische Bildung ebenso. Seiten wären allein mit der Abarbeitung der antiken Reminiszenzen und altphilologischen Referenzen zu füllen." Ach ja, und dann haben wir noch: Ironie. Ironisch sei letztlich "das Verhältnis des Romans zu sich selbst", führt März aus und ergänzt: "Er sieht seinem ästhetischen Entstehen und Gelingen wissend zu." Und so führt letztlich die Perfektion zum Mangel: Eugenides bleibe im "Rahmen des brillant Gekonnten" gefangen.
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