Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer. Der Lebensweg von Jehuda Amichai bildet die Grundmotive seines Werkes: der Dialog mit der jüdischen Tradition, die traumatische Erfahrung des Nationalsozialismus, seine doppelte Identität als Jude und Deutscher, sein Leben zwischen dem Deutschen und Hebräischen, die Stadt Jerusalem wie die Geschichte und Gegenwart Israels. Seine Gedichte wie Erzählungen sind von unmittelbarer Anschauung geprägt und von nachhaltiger Reflexion, den gegenwärtigen Momenten, in die die Vergangenheit einbricht: "Als ich ein Kind war", heißt es im ersten Gedicht, "standen Gräser und Masten an der Küste / und wenn ich dort lag, / unterschied ich zwischen ihnen nicht / denn alle fuhren sie hinauf in den Himmel über mir. / Bei mir waren nur die Worte meiner Mutter / wie eine Scheibe Brot in raschelndem Papier / und ich wusste nicht, wann mein Vater zurückkommt / denn jenseits der Lichtung lag noch ein Wald".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2020
Rezensent Jakob Hessing feiert das Alltagshebräisch von Jehuda Amichai, dessen Bezug zur Tradition Hessing allerdings nicht verborgen bleibt. Die Texte werden so für den Rezensenten vielschichtig und soghaft, auch, das sich der Dichter dialogisch an den Leser wendet, etwa, wenn er von der Menschlichkeit Jerusalems erzählt oder von einem Gott, der einem die Augen zuhält. Manche Verse im Band erscheinen Hessing zunächst prosaisch, ziehen ihn dann aber in ihr Rätsel. Auswahl (Ariel Hirschfeld) und Übersetzung (Anna Birkenhauer) findet Hessing gelungen, das Nachwort informativ.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.06.2020
Mit großer Freude hat Carsten Hueck diese "Kostprobe" aus dem Werk des großen israelischen Dichters Jehuda Amichai gelesen, der als Ludwig Pfeuffer in Würzburg geboren wurde. Zwanzig Jahre nach dem Tod des Dichters ist für ihn die Zeit für eine Wiederentdeckung gekommen. Hueck schildert Amichai als Dicher einer "weltlichen Spiritualität", der Motive aus der Thora, mit der er aus seiner religiösen Jugend vertraut war, mit moderner Alltagssprache verbinde, mal traurig, mal zärtlich, nie sentimental. Die Auswahl ist Hueck höchstens etwas zu schmal geraten, und er hätte sich mehr Orientierung durch die Herausgeber gewünscht. Insgesamt aber eine emphatische Empfehlung.
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