Aus dem Hebräischen von Jan Eike Dunkhase. Am Anfang war die UN: Im November 1947 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Teilungsplan für das britische Mandatsgebiet Palästina - ausgenommen Jerusalem. Diese Stadt, auf die alle drei monotheistischen Religionen Anspruch erhoben und dies bis heute tun, sollte ungeteilt in die Obhut der UN übergehen. Doch der Israelisch-Arabische Krieg vereitelte 1948 diesen Plan. Jerusalem wurde in Ost und West geteilt mit einer Exklave im Nordosten der Stadt. Die Historikerin Yfaat Weiss untersucht zum ersten Mal auf der Basis der weltweit verstreuten Quellen die Geschichte dieser Exklave bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967: die vergeblichen Versuche der UN, Frieden zwischen den Konfliktparteien Jordanien und Israel zu stiften, die dagegen gerichteten Souveränitätsansprüche beider Parteien, die ausgelagerten Bestände der Nationalbibliothek, die verlassenen Institute der Hebräischen Universität, der biblische Zoo mit hungernden Tieren, der verwahrloste Friedhof der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Commonwealth, das zweckentfremdete Auguste-Viktoria-Gelände, schließlich das palästinensischen Dorf Issawiya mitten in der Exklave. Hier reicht die Geschichte in unsere Gegenwart hinein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2025
Yfaat Weiss legt hier laut Rezensent Daniel Siemens eine kompetente Studie zur israelischen Strategie der territorialen Expansion vor. Sie beschäftigt sich mit dem Skopusberg in Jerusalem, der seit dem Ende des arabisch-israelischen Kriegs 1948 bis 1967 eine entmilitarisierte israelische Enklave war und unter dem Schutz der Vereinten Nationen stand. Mit Weiss rekonstruiert Siemens, seines Zeichens Historiker, die politische Geschichte des Bergs seit seines Kaufs durch die Zionistische Weltorganisation 1918, eine Geschichte, die bereits in den 1930er Jahren durch aggressive Landnahme durch nationalistische jüdische Strömungen gekennzeichnet ist, wobei die auf dem Berg ansässige Hebräische Universität auch ein Zentrum von Kräften war, die auf Ausgleich mit den Palästinensern setzen. Entlang der Lektüre geht Weiss auf Gewalttaten beider Seiten nach dem UN-Teilungsplan Ende der 1940er ein und verweist darauf, dass diese ebenfalls auf beiden Seiten selektiv erinnert werden, auch die Folgen des Sechstagekriegs, als der Sieger Israel gezielt seine Interessen durchsetzte, finden Erwähnung. Das Buch zeigt auf, dass Israel schon früh eine auch von Enteignungen geprägte Strategie der territorialen Expansion verfolgte, Siemens. Gleichzeitig ist die Universität nach wie vor ein Zentrum der liberalen israelischen Zivilgesellschaft, erklärt der Kritiker, der Weiss Schrift ob ihres Detail- und Kenntnisreichtums schätzt und sie allen empfiehlt, die sich einen besseren Überblick über einen komplexen Konflikt verschaffen wollen.
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