Im israelisch-palästinensischen Friedensprozess spielt der Vatikan eine tragende Rolle. Sein Interesse am Status Jerusalems und an der christlichen Präsenz im Heiligen Land machen ihn in der nahöstlichen Krisenregion und bei den Vereinten Nationen zu einer gestaltenden politischen Kraft. Die Autorin recherchierte in Rom, Jerusalem, Beirut und New York. Sie wertete die offiziellen und offiziösen Äußerungen des Vatikans sowie umfangreiches un-veröffentlichtes Archivmaterial aus und führte zahlreiche Interviews mit kirchlichen und politischen Akteuren. 50 Jahre vatikanischer Palästinapolitik, ein brisantes und facettenreiches Kapitel der Geschichte der Kirche und des Ostens, werden in diesem Band dargestellt.
Ein interessantes, kenntnisreiches Buch, so Beate Seel, das die Nahostpolitik des Vatikans der letzten 50 Jahre unter die Lupe nimmt. Diesbezüglich komme Koltermann zu drei Schlüssen, sagt Seel: 1. Dem Vatikan ist eine Verbesserung des Status' von Jerusalem nicht gelungen. 2. Er übte positiven Einfluss in Palästina aus und stärkte dort "modellhaft" die Ortskirche. 3. Er ist auf ganzer Linie gescheitert als diplomatischer Akteur im israelisch-palästinensischen Konflikt. Koltermanns Empfehlung an den Vatikan laute daher, so Seel, sich "weniger als Akteur auf diplomatischem Parkett" zu bewegen als vielmehr eine positive Ausstrahlung als Religionsgemeinschaft zu haben und darüber regionalen politischen Einfluss zu gewinnen. Diesen Ansatz hält Seel für nicht konsequent durchdacht, da der Rückzug vom diplomatischen Geschehen auch eine Änderung des Quasi-Völkerrechtsstatus bei den Vereinten Nationen zu Folge haben könnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2001
Ulrike Koltermanns Dokumentation der Politik des Vatikans gegenüber Israel und Palästina von 1947 bis heute hat Konrad Repgen beeindruckt. Zu Geheimakten hatte Koltermann keinen Zugang, sie nutzte als Quellen vor allem veröffentlichte Äußerungen des Vatikans und ein breites Pressespektrum. Schwerpunkte legt die Autorin auf die Pontifikate Pius XII., Pauls VI. und Johannes Paul II., deren Gemeinsamkeiten wie Unterschiede sie herausarbeitet, so Repgen. Durchgängig sei es dem Vatikan in Nahost um internationale Garantien des Zugangs zu den heiligen Stätten, Sicherheit für die christliche Gemeinde im Heiligen Land und die friedliche Lösung der diversen Konflikte durch Verhandlungen gegangen. Unter den Besonderheiten der Politik Johannes Pauls II., die die Autorin, wie der Rezensent bemerkt, kritisch darstellt, sticht dessen Weigerung hervor, das Verhalten seines Vorgängers Pius XII. gegenüber den Judenmorden Hitlers zu verurteilen, wie es erstmals 1982 von offizieller israelischer Seite gefordert wurde. Insgesamt lobt der Rezensent Koltermanns Darstellung als minutiös, präzis und dicht. Ihm fehlen allerdings eine Karte und Zeittafel. Auch, so Repgen, verzichtet die Autorin leider darauf, die Kirchengeschichte genauer in die allgemeine Profangeschichte einzubauen.
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