Jerome Ferrari

Nach seinem Bilde

Roman
Cover: Nach seinem Bilde
Secession Verlag, Zürich 2019
ISBN 9783906910635
Gebunden, 208 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Christian Ruzicska. Antonia, eine junge Fotografin, trifft auf Korsika eines Abends unerwartet auf den Söldner Dragan, den sie Jahre zuvor im Jugoslawienkrieg kennengelernt hat. Nach Stunden intensiver Unterhaltung entscheidet sich die junge Frau heim in die Berge zu fahren und verunglückt tödlich.Die Totenmesse wird von ihrem Onkel, einem Priester abgehalten. Um seine unendliche Trauer über den Tod der innig geliebten Nichte im Zaum zu halten, entscheidet er sich für die strikte Einhaltung der Regeln der Liturgie. Im Glutofen der kleinen Kirche aber steigen Bilder der Erinnerung aus dem Leben der Verstorbenen auf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.01.2020

Rezensent Joseph Hanimann staunt über Jérome Ferraris "Kunst der thematischen Verdichtung", eindrücklich zu erleben in Ferraris neuem Roman, wie der Rezensent versichert. Wie der Autor die Geschichte einer korsischen Fotografin und ihres Todes mit Betrachtungen über die Fotografie an sich verbindet, findet Hanimann bemerkenswert. Gedanken zum Zusammenhang von Fotografie und Tod, Zeitgeschichtliches und das Porträt einer lebenssüchtigen Frau vermischen sich für den Rezensenten zu einem intensiven Text, dessen "üppigen" wie "trockenen" Stil Christian Ruzicskas Übersetzung laut Rezensent kongenial einfängt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2020

Rezensent Paul Jandl folgt Jérome Ferrari auf die Insel Korsika, die hier kein Idyll ist, sondern eine Hölle. Wie der Autor die "transzendentale Vergeblichkeit" seiner Figuren inszeniert, ganz und gar nicht optimistisch, sondern mit Blick auf die Gewalt einer archaischen Gesellschaft, beim Sex, in der Politik und beim dogmatischen Glauben, findet Jandl kunstvoll, sowohl sprachlich als auch in der Weise, wie der Autor in essayistischen Passagen über Fragen über Gott und den Krieg nachdenkt. Christian Ruzicskas Übersetzung erscheint ihm beinahe schwebend in der Nachbildung von Ferraris langen, gewundenen Sätzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2019

Cornelius Wüllenkemper empfiehlt Jérome Ferraris Text als philosophischen Roman par excellence. Gelungen scheint ihm Ferraris literarische Umkreisung des Themas Vergänglichkeit aus zwei Perspektiven: der einer korsischen Fotografin und ihres Onkels, eines Priesters. Didaktisch, wie andere Kritiker, kann Wüllenkemper den Roman nicht finden. Die essayistischen Passagen im Buch, in denen der Autor etwa die Anfänge der Kriegsfotografie behandelt, können den Sog der Erzählung für Wüllenkemper nicht stoppen, den Ferraris direkter Ton, die lebendigen Figuren und die dichte Atmosphäre des Textes in Gang setzen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.08.2019

Der neue Roman des französischen Schriftstellers Jerome Ferrari ist alles andere als "leichte korsische Sommerlektüre", verspricht Dirk Fuhrig in seiner sehr zitatreichen Kritik. Anhand von Fotografien, deren Bildunterschriften Ferrari einem jeden Kapitel voranstellt - allerdings ohne das Foto abzudrucken - erzählt Ferrari die Geschichte der Insel Korsika vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart, dabei eine junge Fotografin und einen Kämpfer der korsischen Unabhängigkeitsbewegung begleitend, resümiert der Rezensent. Schon wie der Autor Reflexionen über das Wesen der Fotografie mit den "Niederungen des Voyeurismus" verbindet, findet Fuhrig bemerkenswert. Vor allem aber bewundert er, wie Ferrari "vibrierend" lakonisch, sanft ironisch und zugleich hintersinnig und spöttisch von Verblendung, Verrohung und den Tiefen der menschlichen Seele erzählt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.08.2019

Sigrid Brinkmann liest mit großen Interesse diesen neuen Roman des korsischen Schriftstellers Jérôme Ferrari, der von einer Fotografin erzählt, die mit nur 38 Jahren den Tod findet. Wie immer bemüht Ferrari ein katholisches Setting, Episteln und Psalmen, informiert Brinkmann, um über das Wesen der Fotografie nachzudenken, aber mehr noch über ihre Indienstnahme. Wie Ferrari dabei der Nostalgie des Kriegs nachspürt, der Glorifizierung des korsischen Nationalismus und schließlich auch der Desillusionierung der toten Fotografin, hat die Rezensentin tief beeindruckt. Dass Ferrari vor nichts die Augen verschließt imponiert Brinkmann ebenso wie seine Sprachmächtigkeit.

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