Das Design Methods Movement war eine sehr unbeliebte Bewegung - so unbeliebt, dass sogar ihre Begründerinnen sich bald von ihr distanzierten. Hartnäckige Auseinandersetzungen über die Art und Weise des Entwerfens legten die politische Dimension von Gestaltung sowie die Notwendigkeit sehr weitgehender Partizipation offen. Die Entwurfsmethodik problematisierte sich selbst und hinterfragte die neutrale Expert*innenrolle von Entwerfer*innen zugunsten offenerer und intensiverer Beziehungen zur gesellschaftlichen Wirklichkeit - eine durchaus destruktive zentrale Forderung am Ende der Bewegung. Das Buch folgt den Konflikten um die Begründbarkeit des Entwerfens von der HfG Ulm, Horst Rittel und Christopher Alexander aus in das Design Methods Movement und den dort engagierten Architekten wie John Habraken und die S.A.R, Yona Friedman oder die Architektur Machine Group. Dort wie auch im späteren deutschsprachigen Methodendiskurs um 1968, der von Jürgen Joedicke und der neugegründeten Arch+ geprägt wurde, sowie im kaum aufgearbeiteten Feld der methodisch motivierten Anwaltsplanung - vom Architects' Renewal Committee Harlem und Urban Planning Aid Boston bis zur portugiesischen SAAL - lässt sich eine verdrängte engagierte und (selbst-)kritische Gestaltungspraxis rekonstruieren.Der Band enthält umfangreiches, bislang unveröffentlichtes Bildmaterial aus dem Umfeld des Design Methods Movement.
Äußerst interessant findet Rezensent Jochen Becker, wie Jesko Fezer, Professor für experimentelles Design, den Grabenkampf in seiner eigenen Zunft offenlegt. Es gehe um die Pragmatiker und die Theoretiker, um Intuition und Wissenschaft. In seiner Analyse der Gemengelage, fasst Becker zusammen, habe Fezer sich die wichtigsten Institutionen und Schulen vorgeknöpft und das Verhältnis ihrer Produktgestaltung zum jeweiligen Zeitgeist hinterfragt. Herausgekommen sei ein "voluminöses" Buch, in dem man unter anderem lernen kann, dass der Designtheoretiker Horst Rittel in den 1950er Jahren vom Bundesministerium für Atomenergie bezahlt wurde. Erhellend sei andererseits, dass es 1971 eine Fernsehsendung gegeben hat, in der über Design, Informatik und Demokratie debattiert wurde. Angesichts der heutigen "technokratischen Bauplanerfüllung" stimmt den Rezensenten das umfassende Kompendium von Fezer besonders wehmütig.
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