Das Wiedersehen
Römische Geschichten

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498003685
Gebunden, 256 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Julika Brandestini. Ein Mann erinnert sich an eine Sommerparty, die eine andere Version seiner selbst zum Leben erweckt hat. Ein Paar, das von einem tragischen Verlust heimgesucht wird, kehrt nach Rom zurück, um Trost zu suchen. Eine Außenseiterfamilie wird aus dem Wohnblock vertrieben, in dem sie sich niederzulassen gehofft hat. Eine Treppe in einem römischen Viertel verbindet das tägliche Leben der unzähligen Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt. Dieses Buch ist ein eindrucksvolles Fresko von Rom, der verführerischsten Stadt von allen: widersprüchlich, in ständigem Wandel und ein Zuhause für diejenigen, die wissen, dass sie nicht ganz dazugehören können, sich aber dennoch dafür entscheiden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.07.2024
Rezensentin Christiane Pöhlmann ist ganz begeistert von Jhumpa Lahiris Erzählungen, die "typische wie individuelle" Schicksale aus Rom erzählen. So drehen sich die meisten Erzählungen um Figuren, die alltäglichen Rassismus erleben und das Gefühl der Ohnmächtigkeit, sich nicht dagegen wehren zu können, lesen wir. Mit einem "schnörkellosen Stil", lobt die Kritikerin, erzählt Lahiri eine Gesellschaft, in der nicht ganz klar ist, wo der Rückzug des Individuums anfängt und wo Ausgrenzung geschieht. Pöhlmann freut sich über die "Gestaltung der Zeitlosigkeit" innerhalb der Erzählungen und ist auch von Julika Brandestinis Übersetzung überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2024
Nicht so glücklich ist Rezensent Gustav Seibt mit dem neuen Kurzgeschichtenband von Jhumpa Lahiri, der ihm mit seinem universellen Anspruch fast zu beliebig vorkommt: Die Geschichten spielen in Rom, sind aber von der Form her durch und durch amerikanisch geprägt, "genregerecht bis zum Konventionellen." Lahiri zeichnet darin nach, wie Oberschicht und Dienerschaft, oftmals migrantisch, aufeinandertreffen, wie Rassismus und prekäre Lebensbedingungen zusammenwirken, aber für Seibt bleibt die Autorin dabei nur "vage sozialkritisch", anstatt wirklich etwas Bedeutendes auszudrücken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2024
Jhumpa Lahiri versteht sich nicht als politische Autorin, weiß Rezensentin Nadine A. Brügger. Sie wolle keine "Botschaft vermitteln", sagt die Autorin in einem Interview, und doch ist es genau das, was Brügger empfängt. Lahiri lässt in ihren Kurzgeschichten Menschen erzählen, die sich fremd fühlen, die zu Fremden gemacht werden, von denen die schon immer da waren, lesen wir. "Da" ist in diesem Falle Rom, die Fremden, das sind zum Beispiel ein Blumenhändler, dem von jungen Italienern die Zähne ausgeschlagen wurden, nun mag er den Mund nicht mehr öffnen, was ihm von anderen als fehlende Sprachkenntnis ausgelegt wird. Oder: ein Mann, seine verschleierte Frau und seine fünf Kinder, die von ihren Nachbarn in der neuen Sozialwohnung so lange schikaniert werden, bis sie gezwungenermaßen wieder in ihre Heimat zurückkehren. Lahiri schreibt über den Rassismus, den diese Figuren erfahren, in einer präzisen, nüchternen und einfachen Sprache, eine Sprache, die nicht alles benennen muss, um es fühlbar zu machen, lesen wir. Gerade in den Auslassungen wird sorgsam Verborgenes sichtbar - das, was die Fremden sich nicht anmerken lassen wollen. Brügger fühlt mit ihnen, und doch bleibt stets eine gewisse Distanz zwischen ihr und den Protagonisten sowie auch zur Stadt. Das Erzählte gewinnt so eine Universalität und die Botschaft wird umso deutlicher: Unsere Gesellschaften sind von Rassismus durchsetzt, Ignoranz ist fatal, Bagatellisierung hilft nur jenen, "von denen der Hass ausgeht".