Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Eine Frau über sechzig lebt in sich selbst zurückgezogen in einem Haus am Tiber, am Stadtrand von Rom. Eines Tages bekommt sie neue Nachbarn. Eine Familie mit zwei Kindern zieht in die Wohnung gegenüber: Die Eltern gehören zur Generation Prekariat, der Vater ist Musiker, die Mutter jobbt. Sie haben eine vierjährige Tochter und einen jugendlichen Sohn, Anhänger von Fridays for Future, sie brauchen eine Nanny und wenden sich an die Nachbarin. Unerwartete Freundschaften entstehen, auch wenn die ältere Dame verschlossen bleibt und nichts von sich preisgibt. Bis sie den Großvater der Kinder kennenlernt, Piero, einen attraktiven Mann ihrer Generation. Er erinnert sich an sie. An die blutigen politischen Siebzigerjahre, als ihr Foto in allen Zeitungen war. Eine mitreißende Geschichte, einprägsame Charaktere aus drei Generationen. Ein Buch, das heute spielt, eine fremde und doch so nahe Vergangenheit heraufbeschwört und zeigt, dass Flucht nicht immer der Ausweg ist.
Die Hauptfigur im Roman von Lidia Raveras Roman ist Täter und Opfer zugleich, erklärt Rezensentin Sieglinde Geisel. In ihrem ersten Lebensdrittel war Giovanna Terroristin einer linksextremistischen Gruppe und an mehreren Morden beteiligt - jetzt ist sie eine alte Frau und versucht ihr Leben mit der Hilfe eines Tagebuchs aufzuarbeiten, verliert aber immer wieder den Faden, resümiert Geisel. Erst als sie zur Babysitterin eines kleinen Mädchen wird, erlebt Giovanna wieder glückliche Tage, was sich schnell wieder ändert, als ihre Identität aufliegt und sie die Flucht ergreifen muss, lesen wir. Das Ende des Romans ist leider nicht ganz gelungen, bedauert die Rezensentin: ganz plötzlich geht es um Giovannas Sohn, den sie weggeben hat, erläutert wird das aber nicht. Das ändert allerdings nichts an den großartigen Gedanken und der interessanten Schilderung des inneren Konflikts der Protagonistin, schließt Geisel versöhnlich.
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