Sie sind kunterbunt, sie sind geistreich, und sie stecken voller Herz. Sie begegnen uns auf dem Gehweg, an Laternenmasten, Telefonzellen und Schaufenstern: große Geschichten des Lebens, auf kleinen Zetteln für den Moment festgehalten. Wie sonst würden wir davon erfahren, dass die Kneipe um die Ecke 3-Gänge-Menüs für einen Euro anbietet (Bockwurst, Brot, Senf)? Grußworte an Einbrecher und Fahrraddiebe, Nachrichten an den lauffaulen Postboten und die schöne Unbekannte aus der U-Bahn lassen uns unmittelbar am Alltag anderer Menschen teilhaben.
Der zugezogene Berliner Kulturwissenschaftler Joab Nist dokumentiert bereits seit einigen Jahren die Zettelwirtschaft im Berliner Stadtbild, weiß Rezensentin Ursula März. Erst entstand aus seinen Fotos das Blog "Notes of Berlin" und jetzt immerhin schon das zweite Buch, berichtet sie. Schon der Titel "Heute geschlossen wegen gestern" ist einem Zettel entnommen, und das Buch ist proppenvoll mit ähnlichen Schätzen, verspricht März: "Vorsicht! Alter Mann spuckt vom Balkon." etwa, oder "Du elender Fahrraddieb. Das Karma soll dich ficken!", zitiert die Rezensentin vergnügt.
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