Joachim Krause

Die Deutschen und die Atombombe

Cover: Die Deutschen und die Atombombe
Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2026
ISBN 9783534611959
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Deutschland hat nie eigene Atomwaffen gebaut - und doch war es maßgeblich an ihrer weltweiten Verbreitung beteiligt. Joachim Krause analysiert die widersprüchliche Haltung der Deutschen zur nuklearen Bedrohung: von der Rolle deutscher Wissenschaftler im Dritten Reich und im Exil über die Mitwirkung an ausländischen Atomprogrammen bis hin zur politischen Verdrängung nuklearer Realitäten im 21. Jahrhundert. Mit scharfem Blick auf historische Mythen, sicherheitspolitische Irrtümer und aktuelle geopolitische Entwicklungen zeigt Krause, wie Deutschland sich aus dem nuklearen Zeitalter verabschiedete - und dabei neue Risiken übersah.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2026

Mit großem Interesse liest Rezensent Thomas Speckmann Joachim Krauses  Buch über das Verhältnis der Deutschen zur Atombombe, von dem man sich allerdings keine eindeutigen Handlungsanweisungen für unsere komplexe Gegenwart erwarten sollte. Der Politikwissenschaftler Krause rekonstruiert zwei Tabus, die die deutsche Atomgeschichte der Nachkriegszeit geprägt haben. Das erste war vor allem in den 1960er Jahren zu Zeiten des Atomwaffensperrvertrags wichtig: Alle relevanten geopolitischen Kräfte waren sich einig, dass Deutschland sich nicht atomar bewaffnen darf. Das zweite Tabu entstand später innerhalb Deutschlands durch den Druck der Bevölkerung, die selbst die zivile Nutzung von Atomkraft zunehmend ablehnte. Unter den Tisch fiel und fällt dabei laut Krause, dass Deutsche nicht nur maßgeblich an der Erfindung der Atombombe beteiligt waren; sondern dass deutsche Wirtschaftspolitik auch zur nuklearen Aufrüstung in vielen Teilen der Erde beitrug. In der Folge sehen wir uns jetzt wieder mit einer neuen nuklearen Bedrohung konfrontiert. Was also tun? Eine deutsche Atombombe lehnt Krause laut Speckmann auch weiterhin als unrealistisch ab. So bleibt am Ende dieses informativen Buches für den Rezensent als mögliche Lösungsstrategie für das deutsche Atomdilemma höchstens eine stärkere Kollaboration mit der europäischen Atommacht Frankreich.

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