Aus dem Russischen von Christina Brock. Auch in seinem neuesten Buch erweist sich Daschitschew als unabhängiger und kritischer Geist, sowohl der Politik Putins gegenüber, wie auch der weltpolitischen Strategie der Vereinigten Staaten, denen er vorwirft, Russland systematisch einzukreisen. Das russische Vorgehen gegenüber der Ukraine hängt genau mit dieser in Moskau weit verbreiteten Sichtweise der politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zusammen. Daschitschew plädiert für eine europäische Ausrichtung Russlands und ist überzeugt, dass Europa Russland ebenso braucht, wie dieses Europa.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2016
Ein bisschen scheint Rezensent Hanns Jürgen Küsters die Schlacht von vorgestern zu schlagen, wenn er das Buch des russischen Historikers Wjatscheslaw Daschitschew bespricht. Der Autor gehörte zur alten sowjetischen Nomenklatura und spielt noch immer munter auf der Klaviatur des Kalten Krieges. Stirnrunzelnd beschreibt der Rezensent Daschitschews Positionen: Zwar sei Stalins Expansionspolitik ein schwerer Fehler gewesen, aber die USA hätten die Eindämmungspolitik dazu benutzt, den ganzen Westen von sich abhängig zu machen, Bretton Woods dient nur der Vormacht der Fed, der Einmarsch in Afghanistan war eine Falle der USA, Deutschland ist ein Satellitenstaat. Küsters erkennt in dem Denken des Kreml-Beraters und Putin-Unterstützers eine Mischung aus Systemkritik und Besserwisserei, Wunschdenken und Wahn.
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