Ein rührend normaler, leider zu dicker Gutmensch, der nie wild, aufregend und hemmungslos gelebt hat, erhält die furchtbare Diagnose: noch maximal drei Jahre Lebenserwartung bei weiter zunehmendem Bluthochdruck und Bewegungslosigkeit. Der frühpensionierte TV-Redakteur fasst einen verzweifelten Entschluss, als er erfährt, dass nur harte Drogen gegen seine monströse Fettsucht helfen: Er beginnt eine "Kokain-Diät". Der geborene Spießer protokolliert penibel Dosis und Wirkung, doch bald schon wird er immer rauschhafter, wilder, offener - und dünner! Sein Charakter löst sich auf. Er lügt, fälscht, betrügt, hat plötzlich Sex im Übermaß und steigt mit jedem verlorenen Pfund auf zur schrulligen Kultfigur der Wiener und schließlich auch der Berliner Kunstboheme. Nur ein Zufall kann ihn vor seinem naiven Optimismus und dem sicheren Drogenende retten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2014
Loriot dreht ein Hiphop-Video und herauskommt dieser Roman. Wolfgang Schneider stellt es sich so vor, kann aber auch ganz direkt den Autor loben als Zeremonienmeister von Jammer und Euphorie, Satire und politischer Unkorrektheit, hölzernen Dialogen und ungeheurer Prominenzdichte. Keiner zeigt die Sehnsucht der Highlife-Gespenster nach Glam und Pop schöner, meint Schneider. Joachim Lottmanns Kunstbetriebsfarce um den dicken, abgehalfterten Herrn Baum, der dank Koks die zweite oder dritte Jugend erlebt, findet er rundum komisch bzw. bissig-witzig.
"Meisterwerk!" jubelt René Hamann nach der Lektüre von Joachim Lottmanns Roman "Endlich Kokain" - und ist umso glücklicher, weil er den letzten Romanen Lottmanns nur wenig abgewinnen konnte. In dieser Geschichte um einen phlegmatischen TV-Dokufilmer, der sein Übergewicht durch eine "Kokain-Therapie" in der Kunstszene Wiens bekämpfen will, entdeckt der Rezensent aber endlich Lottmanns wunderbar boshaften Witz und seine treffenden Gesellschaftsanalysen wieder. Und weil der Autor in seiner "Borderline-Literatur" auch nicht davor zurückschreckt, Verwandte, Bekannte und Prominente vorzuführen, verzeiht Hamann ihm gern, dass stilistische Brillanz offenbar nicht das erste Anliegen Lottmanns ist.
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