Klappentext
Aus dem Englischen von Christoph Haas. August 2013, Uttar Pradesh, Nordindien. Im mehrheitlich muslimischen Kawal erstechen zwei junge Hindus einen gleichaltrigen Muslim auf offener Straße. Die Täter werden daraufhin von einer aufgebrachten Menge ermordet. Nach Massenprotesten eskalieren die Ereignisse und es kommt zu wiederholten Überfällen der Angehörigen beider Religionsgemeinschaften aufeinander, die mehrere Dutzend Tote fordern und die Flucht Zehntausender Muslime zur Folge haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Dem Comicreporter Joe Sacco gelingt in "Indien" dreierlei, erklärt Rezensent Moritz Baumgartner: Erstens fasst er einen ganz konkreten und andauernden Konflikt, nämlich die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Volksgruppe der Jat und Muslimen, ins Bild, und das ist wörtlich zu verstehen, denn Saccos Reportagen sind keine bloßen Erzählungen, sondern Comics, in denen er nicht nur die Ergebnisse seiner Recherchen aufarbeitet. Stattdessen, so Baumgartner, begleiten wir ihn auf seiner gesamten Reise durch den indischen Bundesstaat Uttar Pradesh und erleben so mit, wie er und die, die ihm helfen, verschiedene Erzählungen über den Konflikt sammeln, miteinander ins Verhältnis setzen und abwägen. Indem Sacco diesen Prozess sichtbar macht, schafft er es laut Kritiker drittens, Mechanismen oder genauer gesagt: Strategien aufzuzeigen, die nicht nur in diesem speziellen Konflikt wirken, sondern überall auf der Welt: Wie Gerüchte gestreut werden über die vermeintlichen Anderen, wie diese Gerüchte zu Gewalt führen, aus Anderen Gegner werden, feste Identitäten und Narrative entstehen und schließlich Legenden, die bestimmten politischen Gruppen in die Hände spielen. Angesichts dieser Leistung macht es auch nichts, wenn man zwischendurch bei all den Gesprächspartnern mal den Überblick verliert, so der beeindruckte Rezensent.