Ashoka
Indiens philosophischer Kaiser

Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2025
ISBN
9783520915016
Gebunden, 450 Seiten, 34,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Axel Michaels. Ein Kaiser, dem der eigene Krieg so an die Nieren geht, dass er alles versucht, um künftige zu verhindern, sie gar verbietet? Sie bekämpft, mit ethisch-moralischen Mitteln? Es gibt wenige Persönlichkeiten, die für die Geschichte Südasiens wichtiger gewesen wären als Kaiser Ashoka, der über ein größeres Gebiet herrschte als je ein anderer auf dem indischen Subkontinent vor den Briten. Dabei versuchte er nicht nur, sein Territorium zu beherrschen, sondern die Menschen seines höchst heterogenen Reichs zu vereinen: durch einen Personenkult, vor allem jedoch durch den Kult einer Idee - des Dharma als Dreh- und Angelpunkt einer neuen moralischen Ordnung. Diese neue Moralphilosophie sollte aber nicht nur von den Menschen seines Reiches, sondern auch von Herrschern und Völkern anderer Länder verinnerlicht werden als Grundlage für Ashokas Theorie der internationalen Beziehungen, nach der die Ausübung des Dharma zum Ende internationaler Konflikte führen würde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2025
Rezensent Otto Kallscheuer ist nicht mit allem, was er in diesem Buch liest, einverstanden, gleichwohl fällt seine Besprechung positiv aus. Der Indologe Patrick Olivelle beschäftigt sich darin mit Ashoka, der im dritten Jahrhundert vor Christus Kaiser von Magadha war, eines Reiches, das sich teilweise auf dem Gebiet des heutigen Indiens befindet. Ashoka wird in der indischen Gegenwart von verschiedenen politischen Gruppen verehrt, wobei die Hindu-Nationalisten ihn als Einiger des Landes feiern, die Buddhisten für seine Hinwendung eben zum Buddhismus und fortschrittliche Kräfte für seine toleranten Ansichten. In der Auseinandersetzung mit dieser Figur greift Olivelle ausschließlich auf schriftliche Originalquellen, also auf von Ashoka Verfasstes, zurück, diese Quellen werden vom Übersetzer Axel Michaelis mit ins Deutsche übertragen, was der Rezensent hilfreich findet. Kallscheuer, seines Zeichens Philosoph und Politikwissenschaftler, geht außerdem auf das hierarchische Gesellschaftsmodell ein, das Ashokas Denken zugrunde liegt und auf den buddhistischen Begriff "Dharma", der für den Magadha-Kaiser essentiell war. Wenn Olivelle in diesem Zusammenhang Ashokas Denken als eine "Zivilreligion" beschreibt, möchte Kallscheuer nicht mitgehen. Dennoch, so das Fazit, handelt es sich um ein Buch, das viele Leser verdient hat.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 25.06.2025
Die Rezensentin Sonja Ernst rekapituliert mit Patrick Olivelles Buch die Geschichte des Kaisers Ashoka, der etwa von 302 bis 233 v. Chr. lebte und über dreißig Jahre über ein riesiges Reich herrschte, das fast den gesamten indischen Subkontinent umfasste. Die Kritikerin freut sich über dieses originelle und lesenswerte Porträt des außergewöhnlichen Herrschers: Olivelle stützt sich auf dessen überlieferte Inschriften - rund 4600 Wörter in Form von etwa 30 erhaltenen Felsen- und Säulenedikten. Er bindet die Edikte vollständig oder auszugsweise in sein Werk ein, analysiert und kommentiert sie, um daraus schrittweise ein vielschichtiges Porträt des indischen Kaisers zu formen, erklärt Ernst. Für den Indologen Patrick Olivelle ist Ashoka eine einzigartige Figur der Weltgeschichte: ein mächtiger Herrscher mit tiefen religiösen Überzeugungen und großer innerer Reflexion. Nach einem blutigen Krieg gegen Kalinga wandelte er sich vom machtbewussten Eroberer zum Moralphilosophen. Inspiriert vom Buddhismus entwickelte er ein eigenes Verständnis des Dharma - nicht als religiöse Lehre, sondern als ethischen Verhaltenskodex für das friedliche Zusammenleben in einem multireligiösen Reich. Ein "großartiges, ungewöhnliches und unterhaltsames" Buch über diese schillernde Figur, die bis heute die indische Kultur prägt, schließt die Kritikerin.