Deepa Anappara

Die Detektive vom Bhoot-Basar

Roman
Cover: Die Detektive vom Bhoot-Basar
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2020
ISBN 9783498001186
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Pociao und Roberto de Hollanda. Detektivarbeit ist kein Kinderspiel. Der neunjährige Jai schaut zu viele Polizei-Dokus, denkt, er sei klüger als seine Freundin Pari (obwohl sie immer die besten Noten bekommt) und hält sich für einen besseren Anführer als Faiz (obwohl Faiz derjenige mit zwei älteren Brüdern und einem echten Job ist). Als ein Junge aus ihrer Klasse verschwindet, beschließt Jai, sein Fernsehwissen zu nutzen, um ihn zu finden. Mit Pari und Faiz an seiner Seite wagt er sich in den verwinkelten Bhoot-Basar und dann weiter hinaus in die verbotenen Viertel der Stadt. Doch mehr und mehr Kinder verschwinden, und die Dinge in der Nachbarschaft werden kompliziert …"Die Detektive vom Bhoot-Basar" erzählt von den Farben und Widersprüchen des heutigen Indien, von sozialen und religiösen Spannungen, Korruption und Ungerechtigkeit, vor allem aber von der unbesiegbaren Vitalität dreier Kinder, von deren Wagemut, Unschuld und  Fantasie.

Im Perlentaucher: Armer reicher Junge

"Die Detektive vom Bhoot-Basar" ist ein Roman mit Intention, die merkt man dem Roman auch an. Er ist geradlinig erzählt, vielleicht sogar ein bisschen vordergründig. Aber Anappara versteht es, eine düstere, bedrückende Realität mit wunderbaren Figuren zu bevölkern. Ihr Roman ist ein in allen Farben glitzerndes Kaleidoskop aus Ungerechtigkeit, Verzweiflung und Zauber. Thekla Dannenberg in Mord und Ratschlag

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.06.2020

Katharina Granzin hat die Wahl: Sie kann Deepa Anapparas Roman als reine Unterhaltung lesen oder aber sie erkennt die trostlosen Realitäten Indiens in der Krimigeschichte um verschwundene Kinder und eine Gruppe junger Detektive aus einem indischen Slum, die sich auf die Such nach ihnen macht. Wie die Autorin soziale und wirtschaftliche Verhältnisse abbildet, ohne den Zeigefinger zu heben, einfach durch die Kinderperspektive, scheint Granzin überzeugend. Die Frage, ob man über Armut so schreiben darf, beantwortet die Rezensentin für sich mit einem Ja.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2020

Rezensentin Emeli Glaser wird überrascht von der Drastik in Deepa Anapparas Debütroman über Kinderdetektive in einem indischen Slum. Was wie ein TKKG-Abenteuer beginnt, liest sich laut Rezensentin bald wie ein Gemälde finsterer sozialer Lebenswelten ohne Happy End. Gewalt und Armut bestimmen das Bild, warnt Glaser. Allerdings relativieren Anapparas liebevolle Figurenzeichung und die kindliche Perspektive die beschriebene Hoffnungslosigkeit laut Glaser auch immer wieder. Die plastische Darstellungsweise macht der Rezensentin zwischenzeitlich zu schaffen, und die Entwicklung der Figuren stagniert, so Glaser. Staunend vielschichtig findet sie das Buch aber dennoch.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.04.2020

Laut Rezensentin Shirin Sojitrawalla knüpft Deepa Anappara mit ihrem Debütroman über Kinderdetektive in einem indischen Slum an indische Filme über Straßenkinder an. Auch an Kästners "Emil und die Detektive" fühlt sich die Rezensentin erinnert. Das der Kinderperspektive geschuldete "niedrige Reflexionsniveau" im Text lässt sie an ein Jugendbuch denken, die geschilderten Slum-Grausamkeiten und die Tatsache, dass die Autorin die Frauen- und Muslimfeindlichkeit im Land thematisiert, sprechen allerdings dagegen, meint Sojitrawalla. Nützlich findet sie das Glossar, das indische Begrifflichkeiten erläutert, die Übersetzung von pociao und Roberto de Hollanda scheint ihr "blitzblank".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.04.2020

Rezensent Johannes Kaiser lernt die Armenviertel indischer Städte kennen mit Deepa Anapparas auf tatsächlichen Ereignissen beruhenden Roman um eine Entführungsserie und eine Bande kindlicher Detektive, die zwischen Garküchen und provisorischen Slums ermitteln. Dass die Autorin ein buntes, lebendiges, aber auch zutiefst problematisches, von Armut und Religionskämpfen bestimmtes Milieu zeichnet, ohne billiges Mitleid zu erzeugen, aber mit Mitgefühl und bewusst anders als ein Bollywood-Film, findet Kaiser lesenswert. Die Kinderperspektive erlaubt es der Autorin laut Kaiser, eine gewisse Unschuld zu bewahren, und zugleich eine Sozialstudie der indischen Unterschicht zu entwerfen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2020

Gewalt gegen Kinder und Frauen, korrupte Polizei, Glaubenskonflikte, der klaffende Abgrund zwischen Arm und Reich - diese Kriminalgeschichte, in der der neunjährige Jai die Entführer etlicher Kinder im Slum einer nordindischen Großstadt aufspüren will, ist politisch hochaktuell, erklärt Rezensent Martin Oehlen. Dass der Kritiker den Roman trotzdem so gern gelesen hat, liegt ihm zufolge gleichermaßen an der liebenswerten kindlichen Hauptfigur und den lebendigen Schilderungen der Autorin. Oehlen fühlte sich regelrecht hineingeworfen in einen völlig fremden Alltag aus Hitze, Gewimmel sowie Schmutz und dankt der Autorin auch dafür, dass er einige neue Vokabeln gelernt hat, die bei ihm für ein besonders authentisches Lesevergnügen gesorgt haben.