Seit dem 11. Jahrhundert entstanden aus Siedlungen rund um Burgen und Klöster neue Städte. Immer mehr Leibeigene aus der Umgebung setzen sich in diese Orte ab. Dort waren sie für ihre Grundherren meist unauffindbar. Es entstand der Rechtsbrauch: Ein Leibeigener in einer Stadt konnte nach Jahr und Tag nicht mehr von seinem Grundherrn zurückgefordert werden. Stadtluft machte also im wahrsten Sinn des Wortes frei.Jörg Schwarz zeichnet ein anschauliches Bild der mittelalterlichen Stadt. Wer lebte dort? Welche sozialen Gruppen gab es? Wer regierte und welche Rolle spielte das Bürgertum dabei? Wer zählte zu den Außenseitern? Was leistete die Stadt für ihre Bewohner und wo lagen ihre Probleme? Paradebeispiel in der Darstellung ist die Stadt Köln, doch der Blick geht auch immer wieder auf andere Städte und über den deutschen Tellerrand hinaus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2008
Keine Frage: Es gibt viele großartige Geschichten über die Städte im Mittelalter zu erzählen, das kann Michael Borgolte bestätigen, der selbst in seiner Rezension dieses Buches das London des Jahres 1192 recht schillernd schildert. "Unbehaarte Menschen, effeminierte Sodomiten, unzüchtige Sängerinnen, Rauschgifthändler, Wahrsager, Erpresser, Schmierenkomödianten, Magier und gemeine Bettler" tummelten sich dort. Und Borgolte gesteht dem Mediävisten Jörg Schwarz auch zu, von der Stadt im Mittelalter auch gekonnt zu erzählen und die von ihr ausgehende Faszination zu übermitteln. Trotzdem ist er nicht ganz einverstanden mit dem Buch. Im Grunde wirft er dem Autor vor, es sich zu leicht gemacht zu haben. Neben einer zu oberflächlichen Typologie stört sich Borgolte an der Konzentration des Autors auf die Stadt Köln als alles erklärendes Beispiel, womit Borgolte der "städtischen Individualität" Unrecht getan sieht.
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