Der Tourismuspionier Thomas Cook stammte aus einfachen Verhältnissen. Seine Geschichte ist deswegen eng mit der der arbeitenden Klasse im England des 19. Jahrhunderts verknüpft. Durch perfekt organisierte Reisen ermöglichte der tiefgläubige Baptistenprediger vielen Menschen eine kurze Flucht aus dem Alltag, der durch harte Arbeit, beengte Wohnverhältnisse und allzu oft auch durch Alkohol geprägt war. Zu Beginn organisierte er ausschließlich für Abstinenzler zum Selbstkostenpreis verbilligte Ausflüge ins Umland der englischen East Midlands. Aber schon kurze Zeit später bereisten seine Gruppen Großbritannien, Frankreich und schließlich die ganze Welt. Durch die wachsende Zahl von Reisenden verhandelte er immer attraktivere Konditionen mit Eisenbahnen, Reedereien und Hotels. Seine Gäste rüstete er mit Reisehandbüchern aus oft war er selbst der Reiseleiter. Auf geschickte Art und Weise legte er dadurch den Grundstein für ein bereits zu seinen Lebzeiten multinationales Unternehmen und ebnete dem Massentourismus den Weg. Auch die Prominenz wusste früh die Dienste seines Unternehmens zu schätzen. Selbst der deutsche Kaiser verreiste mit Thos. Cook and Son
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2014
Ironie der Geschichte, meint Jürgen Kaube, dass die heutigen, von allerlei Alkoholika begleiteten Pauschal- und Gruppenreisen auf die geschäftstüchtige Initiative des überzeugten Abstinenzlers und Tourismus-Pioniers Thomas Cook zurückgehen, der die Leute mit günstigen Reisen gerade von solchen Lastern wegführen wollte. Cooks Biografie erzählt Jörn W. Mundt "unterhaltsam und gedankenreich" und rückt dabei zudem noch einige irrige Ansichten über die Geschichte des Tourismus zurecht, erklärt der Rezensent: So habe Cook, anders als oft behauptet, die Pauschalreise zwar nicht erfunden, wohl aber deren Komfort mittels Angebotskataloge und ähnlichem deutlich erhöht. Sehr plastisch führt Mundt dabei unter anderem auch vor Augen, mit welchen Problemen diese frühe Form des Tourismus zu kämpfen hatte, schreibt Kaube abschließend.
Eines nur stört den Rezensenten an der Biografie des Reisepioniers Thomas Cook: der Mann war Abstinenzler. Einen Italienurlaub ohne Apero aber mag Sönke Krüger sich nicht vorstellen. Abgesehen davon jedoch lernt er mit Cook einen Mann kennen, dessen Aufopferung für die von ihm geplanten Reisen bemerkenswert ist, der den Reiserabatt erfand und die vielgestaltige Reise aus einer Hand. Wie Jörn W. Mundt in seinem Buch dieses Leben erzählt, findet Krüger spannend, unterhaltsam und so informativ, dass er Cook am Ende gut zu kennen meint.
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