Ab 1835 entwickelte sich die Eisenbahn in Deutschland zu einem
unverzichtbaren Verkehrsmittel. Sie blieb es bis zu Beginn der 1960er
Jahre, als die Massenmotorisierung die "gute alte Zeit" der Eisenbahn
beendete. Ihr Anteil im Personenverkehr ist seitdem auf nicht einmal ein
Zehntel geschrumpft. Inzwischen konkurriert sie zudem mehr schlecht
als recht mit Billigfliegern und Fernbussen und kann mangels politischer
Weichenstellungen ihre System- und Umweltvorteile nicht ausspielen.
Johann-Günther König erzählt die Geschichte der zunehmend krisenhaften
Beziehung von Mensch, Politik und Eisenbahn. Dabei ist Kritik an der
Bahn nicht erst ein heutiges Phänomen. Bereits 1836 hieß es etwa: "Der
Tritt zum Wagen ist zu hoch, um auf und ab zu gehen." Gegenwärtig sind
es nicht nur Verspätungen, Zugausfälle und Betriebsstörungen aller Art,
die den den Ruf des Marktführers Deutsche Bahn schädigen. König
zeigt die Probleme und Möglichkeiten des immer komplexeren Eisenbahngeschehens
auf und fragt, wie und inwieweit überhaupt noch die
Weichen für einen Neuanfang gestellt werden können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2018
Hannes Hintermeier bekommt mit Johann-Günther Königs Buch eine Kulturgeschichte des Bahnreisens und mehr. Nostalgisch, wirtschaftsgeschichtlich, in Rückblicken und mit Zitaten von Thomas Mann bis Fritz Mautner, aber auch kritisch Kleinstaaterei, Dreiklassengesellschaft und Tarifkämpfe begutachtend, üppiges Literaturverzeichnis und Fußnotenarsenal inklusive. Aber eigentlich geht es dem Autor um etwas anderes, erkennt der Rezensent: König will die Bahn retten. Das Versagen der Politik in dieser Hinsicht macht der Autor durch den Vergleich mit der Schweiz hinlänglich deutlich, so Hintermeier. Königs Haltung, sein Verzicht auf Witze und Nörgelei und seine nüchterne Bestandsaufnahme imponieren dem Rezensenten.
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