Niklas Weber

Passagiere

Klasse, Geschlecht und "Rasse" auf der Eisenbahnreise des 19. Jahrhunderts
Cover: Passagiere
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783593522036
Paperback, 378 Seiten, 45,00 EUR

Klappentext

Im 19. Jahrhundert wird die Eisenbahn zum "Treffpunkt der guten (und manchmal weniger guten) Gesellschaft" (Walter Jens). Vom König bis zum einfachen Rekruten, vom Industriemagnaten bis zur Fabrikarbeiterin - fast alle sind gelegentlich mit der Eisenbahn unterwegs. Diese radikalintegrative Funktion trägt ihr bei den Zeitgenossen den Ruf als Nivelliermaschine ein, die soziale Gegensätze zum Verschwinden bringe und den Weg in eine Gesellschaft der Gleichen ebne. Demgegenüber steht allerdings die Segregation der Passagiere, nach Klasse, Geschlecht und "Rasse". Niklas Weber untersucht diese Praktiken der Trennung und ihren Wandel. Er beleuchtet die Diskurse und Erzählungen, die sich daran angeschlossen haben: vom Antagonismus der Klassen und sozialer Mobilität, von der Liebe auf den ersten Blick und sexueller Gewalt, von rassistischen Diskriminierungen und antisemitischen Epiphanien. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2026

Ziemlich begeistert ist Rezensent Johann Hinrich Claussen von diesem Buch - für ihn ein Musterbeispiel gelungener historischer Forschung. Es geht um die Sozialgeschichte der Eisenbahn bis zum Anfang des Ersten Weltkriegs. Autor Niklas Weber schließt hier teilweise an die wichtige Vorarbeit Wolfgang Schivelbuschs an, legt aber, anders als dieser, den Schwerpunkt nicht auf die Zurichtung von Individuen durch die Bahn, sondern auf Fragen der Klasse, des Geschlechts und der Ethnie. So zeigt sich, dass die Eisenbahn zwar einerseits ein Gleichheitsversprechen war, da sie weitaus mehr Menschen als zuvor weite Reisen ermöglichte; dass sie andererseits jedoch Ungleichheit zementierte, indem sie verschiedene Reiseklassen einführte - ganze vier waren es zunächst. Außerdem geht es um Damenwaggons, die Frauen einerseits vor Zudringlichkeiten beschützen, sie andererseits jedoch auch kontrollieren sollten, sowie um rassistische Fahrgastsegregation sowohl in den USA als auch in deutschen Kolonien. Dieses Buch, das auch ungewöhnliche Quellen wie Populärliteratur auswertet, lässt uns über unsere eigene Vergangenheit staunen, freut sich Claussen, der hofft, dass in Zukunft auch über die Eisenbahn unserer Gegenwart so originell und klug geschrieben werden wird.

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