Herausgegeben von Irmgard und Benno Rech. Wenn ein Lyriker in die Jahre kommt, können die Leser sich auf Gedichte einstellen, die das Erleben des Alterns aufgreifen. Doch Johannes Kühn schreibt über das Älterwerden auf eine Weise, die aus einer überraschenden Spiellust stammt. Die Altersleiden werden schonungslos aufgelistet, aber von Anfang an ist dabei die ironische Distanz zu spüren, in der dies geschieht. Übertreibung gibt nicht Altersjammerei oder Alterstristesse wieder, sie ist vielmehr das sprachliche Mittel, über das Alter zu triumphieren. Wie daraus eine Überlegenheit erwächst, mit der sich sogar dem Tod drohen lässt, macht kein anderer Dichter spürbar wie Johannes Kühn.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2007
Nur teilweise getröstet zeigt sich Rezensent Nico Bleutge von Johannes Kühns neuen Gedichten. Zwar ist er grundsätzlich immer wieder sehr beeindruckt vom "melancholischen Grundton" dieser Lyrik, und ihrer Sprache, der Bleutge immer wieder anzuhören meint, was die Dichtung einmal bedeutete für Hölderlin oder Trakl. Trotzdem liegt bei aller spürbaren wie tief greifenden existenziellen Einsamkeit dieser Lyrik genau hier für den Rezensenten auch ihre Gefährdung, da ihm die "Grenzschicht" zwischen einer originären Sprache und abgenutzten dichterischen Bildern und Allgemeinplätzen gelegentlich allzu dünn erscheint. Trotzdem hat dieser 1934 geborene Dichter aus Sicht des Rezensenten mit seinen mehr als zwei Dutzend Gedicht- und Erzählbänden in der deutschen Literatur eine "Leuchtspur" (wie es in Anklang an einen Lyrikband des Jahres 1996 heißt) hinterlassen, die nach Ansicht Bleutges noch ein Weilchen am lyrischen Firmament stehen bleiben wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007
Johannes Kühn ist erst spät entdeckt worden und produziert bis ins hohe Alter. Immer noch soll der 1934 geborene Saarländer jeden Werktag drei Gedichte verfassen, erfahren wir von Walter Hinck. In den Gedichten aber spürt man das Alter, meint Hinck, er meint, in den nach wie vor um die Natur kreisenden Stücken eine gewisse "Mattigkeit" zu spüren. Um Vergangenheit und Entgangenes dreht sich vieles, was aber nicht als Wehleidigkeit" zu verstehen ist, wie der Rezensent betont. Für den unermüdlichen Kühn sei die Poesie einfach zum wichtigsten Ausdrucksmittel seiner momentanen Befindlichkeit geworden.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…