Am Anfang war Tacitus: Der römische Historiker schildert in seiner "Germania" die Gebiete östlich des Rheins wenig vorteilhaft als "durch Wälder grauenerregend". Seine "Annalen" berichten über eine Schlacht im "Teutoburger Wald" zwischen Römern und Germanen, deren Anführer Hermann der Cherusker zum "Befreier Germaniens" geworden sei. Als dann im Zuge der Befreiungskriege um 1800 Anfänge eines deutschen Nationalbewusstseins entstehen, besinnen sich Dichter und Denker genau auf diesen anti-urbanen, naturnahen Waldmythos. Der Wald als unverbildete Natur wird zum deutschen Ideal - im Gegensatz zur verbildeten, städtischen Zivilisation Frankreichs. Dieser konstitutive Gegensatz bleibt prägend - bis hin zum Nationalsozialismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2016
Kai Spanke rät, lieber das Hermannsdenkmal zu besuchen, anstatt Johannes Zechners Buch zu lesen. Über den deutschen Wald erfährt er beim Historiker Zechner nämlich nichts, was nicht ohnehin schon in den vom Autor in einer wahren Materialschlacht zitierten Quellen steht. Oder bei Wikipedia. Fröhlich reproduziert der Autor Klischees vom bedrohlichen oder romantischen Wald, ohne ästhetische Aspekte zu berücksichtigen. Historisch ist der Ertrag laut Spanke ebenfalls dünn. Stellensammelei statt Ideen, meint er enttäuscht. Und findet auch noch massenhaft unfreiwillig komische Begriffsmonster, wie "Waldrassismus" und "Eichenvorstellungen". Die Zusammenhänge von Wald und deutschem Gefühl kann ihm der Autor aber nicht darlegen.
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