Vatikandokumente aus den Kriegsjahren, Dokumente des US-Geheimdienstes, Tagebücher, Zeitzeugenaussagen, Briefe von Papens an Hitler - diese und weitere bislang unbeachtete Quellen vergleicht Reiner Möckelmann mit den fantasiereichen Selbstzeugnissen des Reichskanzlers und zeichnet so dessen Denken und Handeln nach. Im Zentrum der Darstellung stehen Themen wie etwa von Papens Kampf um Anerkennung des Nationalsozialismus durch die Katholiken, seine gescheiterten Bestrebungen, die Türkei für die Achsenmächte zu gewinnen, oder sein Verhältnis zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach dem Krieg kämpfte von Papen lange um öffentliche Rehabilitierung und leugnete bis zu seinem Tod im Jahr 1969 hartnäckig, das Regime Hitlers unterstützt zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2016
Rezensent Sebastian Weitkamp lernt Franz von Papen als den Hitler-Vasallen und Lügner kennen, der er tatsächlich war. Reiner Möckelmanns politische Biografie zeigt Papen vor allem vor dem Hintergrund seiner Tätigkeit als Hitlers Botschafter in Wien und Ankara zwischen 1934 und 1944, wie Weitkamp mitteilt. Weitkamp stellt zwar fest, dass sich Möckelmanns Sicht weitgehend mit der anderer Historiker deckt, indem sie Papen als antidemokratischen, ständisch orientierten, eitlen Katholiken zeigt. Im weiteren Verlauf der Lektüre kommt der Rezensent jedoch zu dem Schluss, dass der Autor durchaus neue Facetten Papens aufzeigen kann, indem er quellennah und kenntnisreich dessen diplomatische Stationen anvisiert. Laut Weitkamp kann der Autor dabei Papens Memoiren widerlegen: Widerständiges Handeln kann Möckelmann in Papens Biografie mitnichten erkennen, sondern einen "nationalkonservativen Judenfeind", der sich anders als von ihm selbst behauptet, nie gegen Deportationen erhoben hat.
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