Ist zum Dritten Reich nicht alles gesagt? Oder hat die Wissenschaft - im Gegenteil - nicht einen ganz neuen, breiteren Blickwinkel auf diese Zeit? Sir Richard Evans, der führende englische Experte zum Dritten Reich, zeigt in seinem wegweisenden Werk den Umbruch, der in den letzten beiden Jahrzehnten stattgefunden hat: Längst steht nicht mehr Deutschland allein im Fokus der Geschichtsschreibung, der deutsche Nationalsozialismus wird als Teil eines globalen Imperialismus angesehen. Inwiefern haben die Gewaltmechanismen der deutschen Kolonialisten in Afrika den späteren Genozid von Auschwitz vorbereitet? Waren Volkswagen und Krupp nicht schon damals zentrale Unternehmen der Weltwirtschaft? Und auch wenn niemand an der Singularität von Auschwitz zweifelt, welche Muster des Genozids finden sich in anderen Ländern wieder?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.03.2017
Knud von Harbou kann den Erkenntniswert von Richard Evans' neuem Buch nur mit Mühe erkennen. Die Berufung auf alte Rezensionen bekannter Monografien zum Thema NS-Geschichte im Zusammenspiel mit neueren Erkenntnissen überzeugt den Rezensenten nicht, zumal weder Laien noch Fachleute mit dieser weitgehend ohne Literaturverzeichnis und Anmerkungen präsentierten Darstellung viel anfangen können, wie Harbou meint. Sobald der Autor allerdings frei von jedem Bezug zu den Buchbesprechungen vorgeht, gelingen ihm interessante Einblicke in die NS-Geschichte, erklärt der Rezensent.
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