Aus dem Englischen von Werner Schmitz und Karsten Singelmann. Der Mord an der attraktiven Tessa Quayle droht die britische Botschaft in Nairobi in einen diplomatischen Skandal zu stürzen: Schon zu Lebzeiten hatte die junge Frau sich kaum um politische Rücksichten geschert. In einer atemberaubenden Jagd durch drei Kontinente macht sich der Ehemann auf die Suche nach dem Mörder und gerät dabei nicht nur in einen tiefen Sumpf aus politischen und Pharmainteressen...
Ziemlich fesselnd findet Rezensent Niels Werber John Le Carré Thriller über die Pharmaindustrie und deren Strategie, Medikamente an "menschlichen Versuchskaninchen" in Afrika zu testen. Von dieser zynischen Praxis zieht er Parallelen zu der kürzlich erfolgten Gerichtsentscheidung zu Medikamentpatentrechten in Südafrika und bemerkt, dass einem nach der Lektüre dieses Thrillers "der Jubel" über diese Entscheidung, wonach in Afrika billige Kopien von Aidsmedikamenten verkauft werden dürfen, "im Hals stecken" bleibt. Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch erzählerisch ist Werber von Le Carré begeistert. Ausgangspunkt der Erzählung ist ein Liebesdrama, und wie der Autor diesen "Mord aus Leidenschaft in ein weltumspannendes Komplott" integriert, findet der Rezensent sehr gelungen.
John Le Carrés neuester Roman beinhaltet einen hypothetischen Pharmaskandal in Kenia mit kaum verhüllten Verweisen auf lebende Personen, informiert Reiner Luyken. Er verweist auf eine fast zeitgleich mit der englischen Ausgabe des Buches erschienene Artikelserie in der Washington Post über Experimente mit neu entwickelten Medikamenten in der Dritten Welt mit teilweise furchtbaren Auswirkungen für die Testpersonen. Ein Rezensent der New York Times fand Le Carrés Buch dennoch unglaubwürdig, in England war es ein Ladenhüter, schreibt Luyken, der dafür durchaus Verständnis zeigt. Ein engagierter Roman sei leider nicht immer ein guter. Luyken kritisiert Le Carrés weitschweifiges Erzählen, die typisierten Personen und die insgesamt langweilige zweite Hälfte des Romans. Die Artikelserie hat ihm viel besser gefallen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.03.2001
Hin und weg ist Eberhard Falcke von John le Carrés neuem Thriller. Wer nach Argumenten gegen eine Forschung und Ausbildung finanzierende Industrie sucht, wird sie hier reichlich finden, denkt der Rezensent. In Kenia kann le Carrés Krimi über Korruption und Verbrechen, die Verwicklung zwischen Politik und Industrie nur unter dem Ladentisch verkauft werden, informiert Falcke. Denn das Buch ist brisant. Wieder einmal habe der Autor seine Lieblingsgegner aufs Korn genommen, jene vornehmen Heuchler im Dienste seiner Majestät, berichtet der Rezensent. In gewohnter analytischer Porträtkunst leuchte der Bestseller-Autor das Seelenleben seiner Figuren aus, schildere meisterhaft die unterschiedlichsten sozialen Milieus, führe unübertrefflich britische Marotten vor und warte mit idiomatisch ungeheuer treffenden Dialogen auf, meint Falcke. Eine Freude ist ihm daher auch die sehr gelungene Übersetzung von Werner Schmitz und Karsten Singelmann. Und mit Tessa Quayles Engagement für Gerechtigkeit und Aufklärung, das sie leider das Leben kostet, hat der Autor für den Rezensenten die in seinen Werken bisher nachdrücklichste Huldigung an die neue Frau geschrieben.
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