Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig. Ein Mann erwacht in einer Kirche, irgendwo tief in den Westfjorden Islands, und erinnert sich an nichts. Doch die Frau, der er auf dem Friedhof begegnet, erkennt ihn wieder. Rúna berichtet von ihrer verstorbenen Mutter, und sie schickt ihn zu ihrer Schwester Sóley, mit der ihn eine brüchige Nähe zu verbinden scheint. Mithilfe ihrer und anderer Erzählungen setzt er sein Leben neu zusammen - bis sich nicht nur sein, sondern das Schicksal aller Menschen dieses einsamen Fjords vor uns erhebt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2023
Isländische Erzählkunst par excellence erkennt Rezensent Aldo Keel in diesem Roman von Jon Kalman Stefansson. Wenn der Autor und Hamsun-Übersetzer einer isländischen Sippe über vier Generationen folgt und dabei an einer "Playlist des Todes" entlang die Geschichte von Einödbauern und Pfarrern erzählt, dann sind die letzten Dinge immer gegenwärtig, erklärt Keel. Dass Stefanssons weder große Gefühle noch große Worte scheut, bemerkt der Rezensent zwar, aber es mindert seine Wertschätzung nicht für den Autor, der ihn mit seinem witzigen Roman immer wieder anrührt.
Rezensent Wolfgang Schneider annonciert mit Jon Kalman Stefanssons epischer Familiensaga die perfekte Lektüre für ein verregnetes Wochenende. Mit einem Mix aus Witz und "Pathos", der den Kritiker an Knut Hamsun erinnert, erzählt ihm der isländische Autor aus der Perspektive eines namenlosen Ich-Erzählers ohne Gedächtnis über mehrere Generationen von Paaren, deren Beziehungen durch Dritte zerbrechen. Gespickt ist Stefanssons "menschliche Komödie" nicht nur mit viel Leidenschaft, Liebe, Schmerz und Tod, sondern auch mit Songtexten von Bowie über Dylan bis Pink Floyd, warnt der Kritiker vor: Denn bei so viel Wucht kommt die erzählerische Konstruktion ein wenig zu kurz, auch den gedächtnislosen Ich-Erzähler findet Schneider nicht ganz überzeugend. Auf ein paar "steinharte Erektionen und weichgespülte Lebensweisheiten" hätte der Rezensent ebenfalls verzichten können. Dennoch empfiehlt er den Roman gern, nicht zuletzt wegen der gelungenen Übersetzung von Karl-Ludwig Wetzig.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich…