Jonathan Garfinkel kann sich nicht entscheiden - nicht was sein Judentum angeht, seine Freundin oder Israel. Als er von einem Haus in Jerusalem hört, in dem ein Jude und ein Araber in Frieden zusammenleben, bricht er nach Israel auf. Doch dort ist kaum etwas so, wie er es sich vorgestellt hat, und nichts so, wie es ihm daheim in Kanada beigebracht wurde. Garfinkel diskutiert mit Künstlerinnen und Siedlern, erzählt von klandestinen Treffen mit palästinensischen Aktivisten, einem Besuch in einem arabischen Flüchtlingslager und Pessach mit orthodoxen Freund*innen. Schnell muss er erkennen, dass jede Form von schneller "Wahrheitsfindung" eine Illusion ist, jede Antwort, die er findet, löst sich auf in neue Fragen. Immer tiefer dringt er ein in ein vielfach gespaltenes Land und zwei zutiefst gespaltene Gesellschaften. Shimons Haus ist eben auch Abu Dalos Haus und alles andere als jener mythische Ort harmonischer Koexistenz.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2021
Rezensentin Kirsten Jöhlinger ist wirklich beeindruckt von diesem Buch. In dem 2007 im Original erschienenen Buch erzählt der jüdische Kanadier Jonathan Garfinkel von seiner Reise nach Israel ohne jede Besserwisserei. Er beschreibt statt dessen, so Jöhlinger, wie fremd er sich oft fühlt, wie verstört, vor allem, wenn er scharfe Antworten auf unangenehme Fragen erhält. Gerade die "Verletzlichkeit" des Autors scheint für Jöhlinger die Qualität dieses "mutigen" Buchs auszumachen. Nebenbei erfährt sie auch einiges über die jüdische Diaspora in Kanada.
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