Jorge Luis Borges

Jorge Luis Borges: Gesammelte Werke, Band 4

Essays, Teil 4: Borges mündlich, Sieben Nächte, Neun danteske Essays, Persönliche Bibliothek
Cover: Jorge Luis Borges: Gesammelte Werke, Band 4
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446205512
Gebunden, 400 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Gisbert Haefs. Band 4 der Gesammelten Werke von Jorge Luis Borges enthält die späten Essays aus "Borges, mündlich", "Sieben Nächte" und "Neun danteske Essays". Sie lassen noch einmal alle Lebensthemen Borges' Revue passieren: das Problem der Zeit, die Unsterblichkeit, die Kabbala, den Buddhismus und immer wieder die "Göttliche Komödie" von Dante. Die "Persönliche Bibliothek" ergänzt den Band durch persönliche Einführungen in Borges' Lieblingsbücher.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2005

Ein "tröstlicher Ton" klingt für Rezensent Kersten Knipp aus diesem vierte Band mit Essays von Jorge Luis Borges. Als das ganze Buch durchziehende Leitthema macht er Borges' Willen aus, den dunklen Seiten des Daseins auch einige lichtere Momente abzugewinnen. Knipp berichtet, dass die hier versammelten Essays vorwiegend Ende der siebziger Jahre verfasst wurden, zu einer Zeit also, "in der Borges biblischem Alter schon recht nahe ist". So wundert es den Rezensenten nicht, dass Borges viel über die Zeit nachdenkt - fließt sie von allem Anfang an, rollt sie aus der Zukunft heran? Borges hole sich Rat bei anderen Autoren und werde darüber, wie auch in den anderen Essays, zum poeta doctus. Allerdings bringen seine geistesgeschichtlichen Erkundungsgänge nach Einschätzung Knipps "nicht immer Neues hervor". Emotional berührend findet er den Essay über die Blindheit, mit der Borges über lange Zeit geschlagen war. Als kluge Entscheidung des Übersetzers wertet es der Rezensent schließlich, in einer editorischen Notiz auf Borges "spielerische und bewusst unzuverlässige Zitierweise" hinzuweisen, die es hinzunehmen gelte, statt ewig nach den Belegen zu suchen. "Das mag ärgerlich sein", schließt Knipp, "oder eben auch ein letzter Scherz dieses großen Schöpfers paralleler Welten, die darum so erquickend sind, weil aus ihnen ein sanfter Hauch von Unendlichkeit weht."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2004

Heinz Schlaffer beginnt seine Rezension mit einer Hymne auf Jorge Luis Borges, den er für den vielleicht größten Autor seiner Epoche hält. In Deutschland sei er zudem so ausführlich übersetzt wie kaum irgendwo sonst, was allerdings eher am Verleger liege als an den nicht so zahlreichen Lesern. Für die Noch-Nicht-Borges-Leser ist nun aber dieser Band, stellt der Rezensent fest, gerade das Richtige. Entstanden ist er aus Aufzeichnungen nach mündlich Vorgetragenem des schon erblindeten Autors, Populärfassungen anderswo komplexer und raffinierter formulierter Thesen. Für den Kenner, so Schlaffer, gibt es hier zwar keineswegs minderwertigen Borges, aber eben doch nur die "Freude des Wiederfindens" - der Borges-"Anfänger" aber sollte sich an diesen Band wagen und dann mit den Hauptwerken weitermachen.

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