Mit 95 farbigen Abbildungen. Die im Buch versammelten Texte untersuchen den Einfluss "Billiger Bilder" auf die Formierung kunsthistorischen Wissens um 1900. Zwei Themen werden dabei vorrangig verfolgt: Erstens die Geschichte der technischen Umbrüche im Bereich des industriellen Reproduktions- und Vervielfältigungsgewerbes, die maßgeblich dazu beitragen, das (kunsthistorische) Bild zu popularisieren; zweitens die historiographisch vorgehende Einordnung der Auseinandersetzungen um die Konfektionierung kunsthistorischen Wissens. In verschiedenen Kontexten wird der grundlegenden Frage nachgegangen, wie der Zuwachs kunsthistorischer Reproduktionen tradierte Hierarchien zwischen Hoch- und Populärkultur herausfordert und die Kunstwissenschaft des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu methodischen Neuorientierungen nötigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2026
Rezensent Bernd Stiegler folgt dem Kunsthistoriker Joseph Imorde bei dessen Versuch, Benjamins schöne Vision einer Demokratisierung der Kunst durch die Reproduktionsindustrie etwas abzudunkeln. Die regressiven Effekte der Reproduktion pointiert und polemisch in sechs Fallstudien hervorhebend, etwa zur christlichen Vereinnahmung von Raffaels Werk oder zu Dürer und Menzel im Klassenzimmer, wird das Buch zum Anti-Benjamin, erklärt Stiegler. Für den Rezensenten erhellend und anregend zugleich. Dass Imorde sich bei seinen Untersuchungen auf den deutschen Sprachraum beschränkt, findet Stiegler allerdings bedauerlich. Wie und zu welchem Zweck man anderswo in Europa mit den Reproduktionen Raffaels oder Rembrandts umging, hätte er doch gerne erfahren.
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