1911, die Mona Lisa ist gestohlen. Ein Foto von dem fehlenden Bild wird gemacht und eröffnet einen Riss in unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit, etwas, das nicht da ist, steht plötzlich im Zentrum der Weltöffentlichkeit und gebiert so ein rabbit hole. Was hat dieser Raub damit zu tun, dass sich 100 Jahre später das Smartphone zwischen die Mona Lisa und den Betrachter, zwischen die Welt und den Menschen, geschoben hat? Was verrät der Umgang mit dem "berühmtesten Bild der Welt" über unser Verhältnis zu Kunst, Wirklichkeit und den Medien? Wie verändern Reproduktionen unsere Wahrnehmung? Wozu nutzen wir Fotografien und was hat die Digitalisierung daran verändert? Können Bilder "Nichts" zeigen? Können sie Realität vernichten? Wieso entwickelt sich das Bild, das nicht mehr da ist, zu einer "medialen Orgie der Anwesenheit"? Von dem Verhalten der Massen vor der Mona Lisa im Louvre ausgehend führt uns Welzbacher auf eine tour de force durch die Mediengesellschaften des analogen und digitalen Zeitalters. Kleine Geschichte der digitalen Bildmedien und Kritik des Smartphones in einem: #MonaLisa spinnt Roland Barthes' und Susan Sontags Bildfäden zur Fotografie weiter in die nahe Zukunft - und tiefer in die Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2025
Christian Welzbacher fragt in seinem Essay über die Mona Lisa, was bleibt, wenn das Kunstwerk im digitalen Spektakel verschwindet, erfahren wir von Rezensent Florian Heimhilcher. Für ihn ist der Louvre-Besuch heute weniger ein ästhetisches Erlebnis als ein performatives Statement: "Ich war da!" - vermittelt über das Selfie. Welzbacher vergleicht den physischen Diebstahl der Mona Lisa 1911 mit ihrem heutigen medialen "Verlust" und zeigt, wie sich die Fotografie von der Abbildung zur Inszenierung verschiebt, resümiert der Kritiker. Der Fokus liege nun nicht mehr auf dem Bildmotiv, sondern auf dessen Framing - dem Kontext der Selbstdarstellung. Die Ikone der Renaissance wird so zur Projektionsfläche touristischer Identität, lesen wir. Die Konsequenz nach Weizbacher: "Die Menschen haben keinen Blick mehr für das Kunstwerk" - ein Fazit, dass der Rezensent jetzt "nicht unbedingt originell" findet.
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