Was macht die "moderne europäische Kulturwelt" aus, als deren "Sohn" sich Max Weber bezeichnet? Gangolf Hübinger stellt drei Merkmale heraus: die Verwissenschaftlichung des sozialen Denkens, die Demokratisierung des öffentlichen Raumes und die Kulturkämpfe um die modernen Lebensordnungen. Es waren Umbrüche von revolutionärem Zuschnitt, die Webers Erfahrungswelt um 1900 prägten und seinem Denken entscheidende Impulse verliehen. Mit einer eigenen Begriffssprache arbeitete Weber an der Neuordnung des sozialen und politischen Wissens. In den Ideenkämpfen um die Zukunft Deutschlands und Europas wirkte er als Analytiker und Akteur zugleich. Er stellte sich sämtlichen Konflikten seiner Epoche, der polarisierenden Massenpresse, dem anschwellenden Antisemitismus, den Spannungen zwischen kapitalistischer Weltwirtschaft, massendemokratischer Politik und nationalstaatlicher Ordnung. Zwei Charakterzüge stechen in Webers intellektueller Biografie hervor, gelehrte Rigorosität und bürgerliche Radikalität. Die Schlußkapitel gelten der Frage, worin bis heute der typisch weberianische Denkstil besteht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2019
Alexander Gallus fühlt sich bestätigt in seiner Meinung, dass Max Weber aktueller denn je ist. Gangolf Hübingers Aufsätze zeigen ihm Weber nicht nur als "Gelehrten-Intellektuellen", Zeitkritiker, Journalist und Konfliktliberalen an der "Kulturschwelle" um 1900, sondern beleuchten auch die Stationen von Webers Biografie, erläutern Impulse und bieten Politikgeschichtliches, Kultur-, Medien- und Wissenschaftshistorisches, zeigen Webers Netzwerke und seine weite rezeptionsgeschichtliche Wirkung. Mitunter liest sich das laut Gallus wie eine "Problemgeschichte" der Gegenwart.
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