Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2006
Bestens unterhalten fühlt sich Ulrich Baron von Joseph Sheridan Le Fanus nun auf Deutsch vorliegendem Roman über die Rache des ebenso undurchsichtigen wie unansehnlichen Millionärs Longcluse, nachdem er von der Familie seiner Angebeteten zurückgewiesen wurde. Nicht nur die spannende Erzählweise und die Figurenzeichnung haben Baron überzeugt. Er lobt auch die "subtilen Einblicke" in das viktorianische England, in die Mechanik sozialer Beziehungen der Ständegesellschaft etwa, die Arroganz der Upperclass oder den Verfall adliger Familien. Baron siedelt den Roman zwischen Gesellschafts- und Kriminalroman an, der damals noch in den Kinderschuhen steckte. Gerade im Blick auf die Entstehung dieses Genres erscheint ihm Sheridan Le Fanus Roman ziemlich aufschlussreich. Dass am Ende des Romans doch noch vieles gut wird, kann man nach Ansicht des Rezensenten als eine "ironische Reverenz" des Autors an den Zeitgeschmack deuten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2006
Als "würdigen Kollegen" des viktorianischen Romanciers und Unheimlichkeitsspezialisten Wilkie Collins führt Rezensent Elmar Schenkel den irischen Beststellerautor der Jahre 1860-1880, Joseph Sheridan Le Fanu ein, der aus seiner Sicht zu lange literarisch scheintot war. Mit dieser Neuausgabe seines Schauerromans "Schachmatt" wird nun Le Fanus Auferstehung annonciert. Der Rezensent rät allerdings, die literarischen Erwartungen an das Buch nicht zu hoch zu hängen, das er zwar spannend, aber §manchmal auch primitiv" fand. Insgesamt hat sich der Rezensent bei Klaviermusik, Smalltalk und Kerzenlicht gerne in den auf sechshundert Seiten beschriebenen viktorianischen Salons aufgehalten, wo das Unheimliche langsam seine Krallen ausfährt. Mit wohligem Schauern gibt der Rezensent sein Wohlgefallen an der Art und Weise zu Protokoll, wie Le Fanu "umständlich" das Mysterium seines Plots entfaltet und die "Andeutungen des Unheimlichen" platziert. Die Geschichte des doppelt existierenden Mr. Longcluse lobt er schließlich als "differenziert und schattiert". Für Irritation sorgen allerdings antisemitische Töne.
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