Aus dem Spanischen von Juana Burghardt. "Vielleicht sind die Gedichte nur / Botschaften, die ein Schiffbrüchiger gesendet hat, / Flaschen mit dürftig aufgeschriebenen Rufen, / Die womöglich vom Meer der Stille / an die Strände des Vergessens treiben." Immer wieder drehen sich Juan Manuel Rocas Gedichte um das Vergessen und um das Schweigen, vor allem aber: um die Zeit. Dabei interessiert den 1946 in Medellin geborenen Dichter weniger die Vorstellung einer gleichmäßig verstreichenden Zeit, sondern ihr subjektives Erleben, der intensive Augenblick. Eine Art innerer Zeit, die Erlebnisse manchmal erst Jahre später entfaltet oder wie Filmszenen kurzschließt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2009
Nico Bleutge stellt in einer Dreifachbesprechung Gedichtbände lateinamerikanischer Lyriker vor. Zentrales Thema in "Blindenmond" ist die Zeit, und der Autor spürt vor allem ihrem subjektiven Vergehen nach, wie der Rezensent wissen lässt. Das lineare Ablaufen der Zeit sei deshalb auch in vielen Gedichten des Bandes gegen Traum- und Schwebezustände aufgehoben, stellt Bleutge fest, der die "haikuartige Verdichtung" so mancher Texte anerkennend hervorhebt.
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