Vor dem realen Hintergrund des Absturzes der Fuerza Aerea five seven one in den 1970er-Jahren gestaltet Jürg Amann seine Menschheitsparabel als Gleichnis von Leben und Tod jenseits von Moral und Tabu: Ein Flugzeugabsturz mitten in der Gletscherwüste der Anden, damit beginnt es. Was folgt, ist der Lebens- und Überlebenskampf derer, die der Hölle scheinbar entkommen sind, die dem Wrack der Unglücksmaschine wenigstens körperlich heil entsteigen. Sie kämpfen miteinander, gegeneinander, die einen auf Kosten der anderen. Wovon sollen sie sich ernähren, in der unbarmherzigen Höhe und Kälte des ewigen Eises, bevor die Suchmannschaften sie finden? Falls die sie überhaupt finden? Wie weit kann, wie weit darf der Mensch gehen, um dabei Mensch zu bleiben? Wo verläuft der menschliche Horizont? Und wo bleibt dabei die Liebe?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2011
Spektakulär findet Sibylle Birrer den Stoff, den Jürg Amann sich in seiner klassisch gebauten Novelle vorknöpft. Vom Absturz der "Fuerza Aerea five" 1972 in den Anden und den bekannten kannibalistischen Folgen erzählt ihr der Autor reduziert, dramatisch und aus der kollektiven Wir-Perspektive. Sind wir also alle Kannibalen? Das im Sog der Erzählung an die Rezensentin ergehende Identifikationsangebot bleibt für Birrer allerdings ein Spiegelspiel. Für echte Zweifel und Reflexion über das Menschsein in Extremsituationen fliegt der Text ihr wohl doch allzu straff und pointiert vorüber.
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