Anhand von Pazifik-Reiseberichten des späten 18. Jahrhunderts analysiert und dokumentiert die Autorin Anfänge und Hintergründe der Südseebegeisterung in der deutschen Literatur. Christiane Küchler Williams untersucht die beiden Pole der Südsee-Faszination: auf der einen Seite die Vorstellung vom exotischen Paradies, freier Sexualität, ständeloser Gesellschaft, politischem Utopia und dem "Edlen Wilden", auf der Kehrseite die alptraumhaften Bilder von Kannibalismus, "Sodomie" und Syphillis. Die erotische Attraktion und die damit verbundene Feminisierung und Sexualisierung der Südsee werden als bedeutende Faktoren für die Neudefinition der europäischen Männlichkeit im 18. Jahrhundert ebenfalls herausgearbeitet. Anhand von literarischen Texten zur Südsee (zum Beispiel von Knigge, Kotzebue, Zachariä und andere) werden Wahrnehmungsparadigmen entwickelt, die eine bis in die Gegenwart hineinreichende Faszination für den exotisch-erotischen Traum von der Südsee belegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2004
Die "erotische Aufladung des Südseeraumes" im 18. Jahrhundert sei das Thema von Christiane Küchler Williams' Studie, berichtet der "upj" zeichnende Rezensent in einer Notiz zum Buch, und diese Aufladung sei erheblich gewesen. Nicht nur in der Literatur, sondern auch in Theater und Musik bis hin sogar zur Philosophie habe man die "freizügigen Sitten" der Südseebewohner als Charakteristikum des erotischen Paradieses gedeutet und verklärt. Küchler Williams neige allerdings nicht zur Beschönigung, stellt der Rezensent fest, und auch die Verstörung, die zum Beispiel durch das Nebeneinander von Eros und Kannibalismus entstanden sei, finde in ihrer Studie Platz.
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