Jürgen Becker

Jetzt die Gegend damals

Journalroman
Cover: Jetzt die Gegend damals
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424889
Gebunden, 161 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

'An mein Leben denkend und die Erinnerungen daran, fallen mir immer bloß Sätze ein, manchmal nur noch einzelne, manchmal ein paar mehr.'Jörn Winter sagt diesen Satz am Ende des Buches, in dem aus einzelnen Sätzen und ganzen Geschichten ein Journal der Augenblicke und Erinnerungen entsteht. Beides, die Erfahrung des Augenblicks und die Erinnerung ans Früher, stellt den Raum der Gleichzeitigkeit her, in dem sich Jörn fortwährend aufhält. Man kennt ihn aus früheren Büchern: Der fehlende Rest (1997), Aus der Geschichte der Trennungen (1999), Schnee in den Ardennen (2003), und manches Motiv daraus findet man hier wieder, als Spur, als Schatten, als Wiederholung, die im bereits Erzählten nach dem Nicht-Erzählten, nach dem Vergessenen, dem Verschwiegenen sucht. Jörn folgt dabei den Wahrnehmungen und Erlebnissen, den biografischen Wegen des Verfassers; sie gehen zurück in die dreißiger Jahre, in Kriegs- und Nachkriegszeit, in die fünfziger Jahre, in die Gegenwart, und Jörn spricht davon, als wäre es sein eigenes Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2016

Rezensent Harald Hartung freut sich über Jürgen Beckers inzwischen dritten Journalroman. Einmal mehr begleitet der Kritiker Beckers Alter Ego Jörn Winter durch Köln und Odenthal und teilt Erinnerungen an die dreißiger Jahre, die Nachkriegszeit und die deutsch-deutsche Geschichte. Vor allem aber bewundert der Rezensent Becker Beobachtungen und Berichte, die sich wie poetische Epiphanien durch den Text ziehen. Einfach wunderbar, wie der Autor die Zeit immer wieder neu rekonstruiert, schließt der Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2015

Laut Nico Bleutge holt Jürgen Becker in seinem neuen Buch das eigene der Erinnerung gewidmete Schreiben ein. Allerdings nur, um sich dann davon zu entfernen, wie Bleutge erklärt. Denn die Erinnerungen des Erzählers an Köln und das Bergische Land, an knisternde Korbstühle und den Klang des Leiterwagens, kommen nur spärlich. Maßgeblich für diesen "Journalroman" ist der Wunsch von Beckers Alter Ego, über das Erinnerte hinauszugelangen, schreibt Bleutge. Beobachtungen, in denen kleinste Verschiebungen sichtbar werden, dann wieder Warten auf Wörter und Sätze, die etwas in Bewegung setzen, so beschreibt der Rezensent das Vorgehen des Erzähler und seine Eindrücke beim Lesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.08.2015

Für Martin Oehlen ist Jürgen Becker eindeutig kein Schriftsteller des Erfindens, sondern des Findens, genauer gesagt des Beobachtens, Erfahrens und Entdeckens. Alles was ihm begegnet, am Wegrand, im Keller oder in der Erinnerung, schleift er mit "gelassener Präzision" zu wunderbarer Prosa, schwärmt der Rezensent: "Cool Jazz zum Süchtigwerden" sei das, ein unverwechselbarer Sound. In seinem Journalroman "Jetzt die Gegend damals" tritt wieder sein Alter Ego Jörn Winter auf, der diesmal kurz vor dem Altwerden Bilanz zieht, zurückblickt und das Vergangene ergründet. Lustiges hat Oehlen dabei gefunden, etwa die bissige Bemerkung über die Literatur junger Autoren, "so könnten nur Nichtraucher schreiben". Dass Jörn Winter am Ende nach Griechenland reist beschert dem Rezensenten ein sommersonnengrelles Jetzt.
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