Nachspielzeit
Sätze und Gedichte

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518431924
Gebunden, 112 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Mit seinen neuen Gedichten, entstanden 2022/23, setzt Jürgen Becker ein Schreiben fort, das seine Motive vor allem im Wahrnehmen des Augenblicks, im Erleben des Alltags findet. So offenkundig dieses Schreiben von der Gegenwart bestimmt wird, fortwährend mischt sich ein Früher ein, die Anwesenheit des Vergangenen. Die Sätze, die Gedichte, die dabei entstehen, erzählen zumeist von vertrauten Selbstverständlichkeiten, die doch allesamt ungewiss und vom Verschwinden bedroht sind. Und wo Krisen und Kriege im Alltag spürbar werden, hält der Autor an den Hoffnungen fest. Jürgen Becker schreibt Selbstgespräche für Zuhörer. Sie können Spuren finden, Zugänge in die eigene Biografie. Seine Kriegs- und Nachkriegskindheit korrespondiert mit den Erinnerungen seiner Generation, seine aktuelle Erfahrung mit den Wahrnehmungen der Zeitgenossen, die nicht mehr so jung sind.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2024
Gustav Seibt liest gebannt die letzten Gedichte von Jürgen Becker. Dass der Autor einmal für seine Langgedichte bekannt war, könnte Seibt fast vergessen beim Lesen, denn in diesem Band zeigt sich Becker von der lakonischen, doch nicht weniger eloquenten Seite, indem er formbewuste, exakt komponierte Minigedichte, mitunter Listengedichte vorlegt, meint Seibt. Dahinter spürt der Rezensent allerdings große Gefühle wie Trauer und eine gewisse Sehnsucht nach Verlorenem. Für Seibt eine (be)rührende Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2024
Rezensent Thomas Combrink sympathisiert mit dem poetischen Programm, das in Jürgen Beckers Versen steckt. In der Nachfolge Adalbert Stifters wendet sich Becker, beschreibt Combrinck, dem Alltäglichen zu, den Vögeln in seinem Garten oder einem Supermarkteinkauf, auch die Sprache ist alltagsnah und tagebuchartig. Ihren Reiz gewinnen die Verse dadurch, fährt die Rezension fort, wie sie ausgehend von Beobachtetem gedankliche Sprünge vollführen, die zum Beispiel zum Ukrainekrieg führen, oder auch zurück in die DDR. Becker schreibe zwar nüchtern, aber gleichzeitig metaphernreich. Auch an Brechts "Buckower Elegien" fühlt sich Combrinck erinnert, insgesamt findet Becker in diesem frei, ohne Gedichtüberschriften montierten Band einen eigenen faszinierenden Sound.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 06.08.2024
Rezensent Nico Bleutge fühlt sich wohl in den Versen Jürgen Beckers, die vom Alltäglichen ausgehen, aber auch Fernes zu greifen bekommen. Oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, wie etwa eine Teekanne, mit denen Beckers Reflexionen einsetzen, beschreibt Bleutge, und die sich zu Netzen von Wahrnehmungen und Gedanken erweitern. Einsamkeit zieht sich laut Bleutge als Motiv durch die Gedichte, in denen sich Alltagsroutinen mit einem Gespür für Fremd- und Neuheit verbinden. Durchaus unterschiedliche Formen versammelt dieser Band, manche Gedichte sind sehr kurz, andere lang oder listenartig, legt der Rezensent dar, der ziemlich begeistert davon ist, wie sich spontane Beobachtungen bei Becker zu einem Bewusstsein für größere kulturelle Zusammenhänge erweitern.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.08.2024
Rezensent Helmut Böttiger verneigt sich vor der vernunftgeborenen Melancholie und einer erarbeiteten Abgeklärtheit in Jürgen Beckers neuen Notaten und Gedichten. Dass der 92-jährige Autor genau da weitermacht, wo er aufgehört hat und weiter Subjektivität in szenische Alltagsbeobachtungen gießt, ist für Böttiger so phänomenal wie logisch. Zeitliche Überblendungen, in denen Gegenwarts-Augenblicke mit Erinnerungen an Krieg und Kindheit versetzt werden, prägen die Texte laut Böttiger ebenso wie die Leerstelle der verstorbenen Ehefrau. Beckers Alltagsskizzen sind nie prosaisch, staunt Böttiger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.07.2024
Es ist längst noch nicht Schluss, es gibt noch viel zu schreiben, ahnt Rezensent Martin Oehlen nach der Lektüre von Jürgen Beckers neuen Gedichten und Journalen. Der 92-jährige Autor jedenfalls bietet hier laut Oehlen, wenngleich etwas weniger vita activa, so doch allerhand Bedenkenswertes, schnörkellos Dargebrachtes gleichsam als Bestandsaufnahme. Erfahrungen von Krieg und Krisen, die heute wieder aktuell klingen, Bilder von Briketts und Bahnhof, und aus Beckers Werk "vertraute Motive" in "blitzender Klarheit".