Am Beispiel der Vergabe von Vornamen lassen sich kulturelle Modernisierungsprozesse empirisch beschreiben und strukturell erklären: Die traditionellen Ligaturen Familie, Religion und Bindung an die Nation verlieren im Zeitverlauf in der Strukturierung der Vergabe von Vornamen an Bedeutung, Prozesse der Individualisierung und der Globalisierung gewinnen hingegen an Relevanz. Dabei lassen sich schicht- und geschlechtsspezifische Unterschiede beobachten. Die hier vorgelegte Studie versteht sich einerseits als eine empirische Analyse kultureller Modernisierungsprozesse am Beispiel von Vornamen, sie versteht sich andererseits als eine exemplarische Einführung in die Kultursoziologie. Am Beispiel der Analyse von Vornamen werden die Möglichkeiten eines spezifischen Verständnisses von Kultursoziologie erläutert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2004
Vier Befunde hebt Wiebke Hüster an diesem Buch des Soziologen Jürgen Gerhards besonders hervor, das sie offenbar mit Gewinn gelesen hat, auch wenn sich in ihrer Besprechung weder expliziter Ausdruck des Lobes noch der Missbilligung findet. Auf der Basis der Register von zwei deutschen Gemeinden, Gerolstein und Grimma, erfährt man, gewinnt Gerhards eine Reihe von Befunden - die man freilich "genauso auch erwartet hätte", wie Hüster schreibt. Es geht um die modernen Moden und Traditionen, die in der Vornamensgebung zum Ausdruck kommen. So zeige Gerhards etwa, dass mit fortschreitender Säkularisierung immer weniger Kinder nach christlichen Legenden benannt werden, dass die Kinder "immer mehr unterschiedlichere Vornamen" tragen und sich in der Namensgebung "Globalisierungsprozesse" niederschlagen, weshalb neue Einflüsse dann vor allem aus der Popkultur und dem Fernsehen kämen. Und schließlich fand die Rezensentin interessant, dass es bei den jeweils modischen Namen offenbar zugehe, "wie in der Kleiderindustrie": Ein Modell gewinne an Beliebtheit, um dann eine Zeit lang "durch ähnliche variiert zu werden".
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