Jürgen Theobaldy

In der Ferne zitternde Häuser

Prosa
Cover: In der Ferne zitternde Häuser
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2000
ISBN 9783884231708
Gebunden, 62 Seiten, 13,29 EUR

Klappentext

Diese Prosatexte sind biografisch fundiert. Das Selbsterlebte bleibt Antrieb, nach der ihm gemäßen erzählerischen Konzeption zu suchen. Entstanden sind kurzweilige Prosastücke von frühen Wärmeschüben über die Vergewisserung erster Leseabenteuer bis zum Bedenken dessen, was mit dem Verlust der Eltern gewonnen sein könnte. Theobaldys lakonischer Drive hält sich offen für hymnische Aufschwünge, ironische Abstürze oder auch Bekenntnishaftes und verweigert sich ungebrochener Selbstdarstellung. Franz Schubert kommt im Rhythmus seines Oktetts zur Sprache, das Summen der Zentralheizung und das Surren des Dynamos am Vorderrad klingen durch die Nacht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.01.2001

In einer Doppelrezension empfiehlt Hans Christoph Buch zwei Bücher von Jürgen Theobaldy, den er als ein "im Verborgenen blühendes Talent" bezeichnet, das noch nicht ausreichend entdeckt worden sei. Beide Bücher bezeichnet der Rezensent ohne Vorbehalte als "Meisterwerke".
1.) Jürgen Theobaldy: "In der Ferne zitternde Häuser. Prosa" (Das Wunderhorn)
Hier hebt der Rezensent besonders eine Passage hervor, in der es um das "Eingeständnis des Scheiterns" geht. Etwas dieser Art ist nach Buch in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur selten zu finden. Überhaupt zeigt sich der Rezensent erfreut, dass es sich bei Theobaldy um einen Autor handelt, der "schrille Effekte" nicht nötig hat und auch nicht ständig die Jugendlichkeit ins Feld führt. Theobaldy ist für Buch ein Außenseiter, ein Beobachter, der aber weitaus mehr wahrnimmt als diejenigen, die stets in irgendwelche Kämpfe verwickelt sind.
2.) Ders.: "Immer wieder alles. Gedichte" (Zu Klampen)
Buch macht hier Anspielungen zu Hölderlin oder auch Robert Walser aus, aber dennoch verfügt Theobaldy seiner Ansicht nach über einen "unverwechselbar eigenen Ton", der allerdings schwer zu beschreiben sei. Begriffe wie "Sprödigkeit oder Melancholie" können diesen Ton nur unzureichend beschreiben, so Buch. Besonders angetan zeigt sich der Rezensent von dem Musikalischen in Theobaldys Sprachmelodie, das nie nur Musik nachahme, sondern selbst eine Schöpfung sei. Die Gedichte können sich nach Buch wie Einzelteile eines Romans lesen lassen, den der Leser im Kopf mit seinen eigenen Erfahrungen ergänzen muss. Hierin liegt für den Rezensenten eine der ganz besonderen Stärken diese Buchs.

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