Jürgen Trabant beschreibt die wichtigsten Etappen in der Entwicklung von Humboldts Sprachauffassung und diskutiert die Stellung dieses Sprachdenkens in Philosophie, Sprachwissenschaft und Anthropologie. In einer Zeit zunehmender Sprachvergessenheit möchte es nicht nur den sprachthematisierenden Disziplinen, sondern allen an Sprache Interessierten Humboldts großes und tiefes Sprachdenken zum Mit-Denken empfehlen. Wilhelm von Humboldt, der große Staatsmann und Gründer der Berliner Universität, war auch ein großer Sprachforscher. Er erkannte, dass Sprachen nicht nur verschiedene Laute sind, sondern dass sie die Bedeutungen jeweils unterschiedlich gestalten, dass sie - auf der Grundlage universeller kognitiver Dispositionen des Menschen - verschiedene Weisen menschlichen Denkens, verschiedene "Weltansichten" sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2013
Mit diesem Autor fühlt sich Thomas Thiel am Nabel der Sprachwissenschaft. Dabei weiß er, dass der Autor mit seiner essayistischen Präsentation von Humboldts ästhetischem Sprachverständnis eigentlich alte Suppen aufwärmt. Nur macht Jürgen Trabant das eben derart gekonnt, dass Thiel sich inmitten aktueller Diskurse um Relativismus, Universalismus und Naturalismus wähnt, mit Humboldt als Widersacher, der den kreativen, rhetorischen Akt des Sprechens verteidigt gegenüber Grammatik und Pragmatismus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2013
Insgesamt zufrieden zeigt sich Stefana Sabin mit Jürgen Trabants neuem Buch über Wilhelm von Humboldt. Die Begeisterung des Sprachwissenschaftlers für Humboldt ist für sie bei der Lektüre deutlich spürbar, auch wenn der Funke nicht so ganz auf sie übergesprungen ist. Die überaus gelehrten Ausführungen des Autors über Humboldts Überlegungen zur Sprache hat sie dennoch mit Gewinn gelesen. Allerdings hebt sie hervor, dass auch der interessierte Leser bisweilen durch unübersetzte lateinische Zitate und linguistische Bezüge, die nicht an Beispielen veranschaulicht werden, überfordert sein könnte. Zudem verleiht der pathetische Ton Trabants dem Buch nach Auffassung der Rezensentin eine "verstörende Note".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.02.2013
Dass der Autor Wilhelm von Humboldts auf Individualität und Verschiedenheit zielendes Sprachdenken begeistert nachvollzieht, scheint Stephan Speicher zu gefallen. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt Jürgen Trabants Fähigkeit, seine Begeisterung mitzuteilen - und zwar nicht nur dem Linguisten, wie Speicher versichert. Trabants gesammelte Texte aus 20 Jahren liest Speicher jedenfalls als enzyklopädischen Gang durch Humboldts Sprachdenken und Annäherung an Sprache und ihre charakterliche Verschiedenheit als Orientierungsmittel. So, als Mittel zur Freiheit, nicht als Gefängnis des Denkens, möchte auch Speicher die Sprache sehen.
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