Im Kernland der islamischen Mystik, der Provinz Sindh in Pakistan, wird alljährlich ein dionysisches Fest gefeiert: ein einwöchiger Exzess rauschhafter Spiritualität zu Ehren des roten Sufi, des mythenumrankten Wunderheiligen Lal Schahbas Qalandar (gest. 1274). Der Islamwissenschaftler und Ethnologe Jürgen Wasim Frembgen macht sich von Lahore aus auf den Weg, das fremdartige Spektakel an den vor Menschenmassen brodelnden heiligen Stätten in Sehwan Scharif mitzuerleben. Sein Erzählbericht zeigt ein hierzulande wenig beachtetes, freudvolles Gesicht des Islam, geprägt von Toleranz, Gemeinschaftsgefühl, Rausch und Hingabe. Der Forscher schildert seine Begegnungen mit skurrilen heiligen Männern, Trancetänzerinnen und Hidschra-Transvestiten, er berichtet von seinem strapaziösen Aufenthalt im Zelt der Wanderderwische, von Orten der Huldigung und Orten abseits der Pilgerströme und schließlich vom eigenen Hineingezogenwerden in den musikalischen, archaischen, spirituellen Sog der gemeinschaftlichen Ekstase.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2009
Als einen eindringlichen Erfahrungsbericht, dessen Ton weder journalistisch noch wissenschaftlich, sondern am Ende recht eigentlich literarisch ist, empfiehlt der Islamwissenschaftler Stefan Weidner diesen Band. Die offensichtlich orgiastischen Wallungen der hier geschilderten Sufi-Rituale in einer pakistanischen Kleinstadt dürften zu jenen religiösen Traditionen gehören, die vom Islamismus zuallererst bekämpft werden. Drogen, Tanz, Musik, Prostitution spielen hier eine Rolle und führen nach Weidner zu einer kollektiven Ekstase, die Fremdgen ohne zu urteilen, in faszinierter Hingabe an das Fremde, zu schildern vermag. Der Leser von Weidners Kritik will sich sogleich aufmachen: wenn schon nicht nach Pakistan, dann wenigstens in den Buchladen!
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