Julia Borggräfe

Bürokratopia

Wie Verwaltung die Demokratie retten kann
Cover: Bürokratopia
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783803137562
Kartoniert, 112 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Die wachsende Überforderung und Ineffizienz der Bürokratie untergraben das Vertrauen in den Staat auf dramatische Weise, wie man an den jüngsten Wahlanalysen sehen kann. Die Arbeitsrechtlerin Julia Borggräfe kann Ursachen dieser Misere benennen: falsche Prioritäten, fehlende Kompetenzen und Anreize, hemmende Hierarchien, ungelöste Dilemmata zwischen Fachlichkeit und politischem Interesse, die eine Verantwortungsübernahme erschweren, gute Ideen, die in der Schublade verschwinden, und ein Fachkräftemangel, der bis 2030 rund 900.000 unbesetzte Stellen umfassen wird. Borggräfe bietet ebenso realistisch wie optimistisch Lösungen für diese Misere an. Positivbeispiele aus anderen Ländern zeigen, dass eine funktionierende Verwaltung keine Utopie bleiben muss. Und sie macht auch überraschende Vorschläge, etwa die grundlegende Entpolitisierung der Verwaltung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2025

Mit stellenweise ironischem Unterton bespricht Rezensent René Schlott Julia Borggräfes Buch über Bürokratie. Die hat das Potenzial, die Demokratie zu stärken, wenn sie denn besser, und das heißt für Borggräfe, eher wie ein Unternehmen, geführt wird, liest der Kritiker. Borggräfe selbst hat sowohl in Behörden als auch in der Privatwirtschaft gearbeitet, ihr Buch liest sich teils wie eine verschriftlichte Power-Point-Präsentation voller Consulting-Schlagwörter a la "strategic foresight" und "Use Journey", räumt Schlott ein. Vom Beamtentum hält die Autorin wenig, außerdem möchte sie den immer noch an preußischen Pflichterfüllungsidealen orientierten deutschen Behörden mehr Bürgernähe beibringen. Das zentrale Paradox auch dieses Versuchs, die Bürokratie wieder effektiver zu machen, besteht darin, meint der Rezensent, dass auch diese Kritik der bestehenden Bürokratie nicht zu weniger, sondern zu mehr Bürokratie führt, tatsächlich schlägt die Autorin die Schaffung einiger neuer Behörden vor. Insgesamt bleibt der Rezensent nach der Lektüre eher skeptisch zurück, wobei sich seine Vorbehalte weniger gegen das Buch, als gegen die wiederkehrende Rede von Bürokratieabbau und -reform insgesamt zu richten scheinen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.03.2025

Keine Bürokratie ist auch keine Lösung! Zwar plädieren viele für Bürokratieabbau, aber der libertäre Kahlschlag in den USA zeigt auf erschreckende Weise, was passieren kann, wenn extreme Kräfte Verwaltungsinstanzen abschaffen, merkt Rezensent Benjamin Schlodder an. Wie wichtig Bürokratie für die Demokratie ist, zeigt ihm auch Julia Borggräfe, die im Gegensatz zur vorherrschenden öffentlichen Meinung gerade für eine Stärkung der derselben plädiert. Diese sei nämlich zentral für das Vertrauen zwischen Staat und Staatsbürger. Dass sich etwas radikal ändern muss, dass fordert sie allerdings auch, so der Rezensent. Wie der Wandel von einer "obrigkeitsstaatlichen" hin zur einer "kooperativen Verwaltungskultur" vollzogen werden soll, zeige sie anschaulich und an Praxisbeispielen, lobt Schlodder. Die Anfälligkeiten der Bürokratie lasse Borggräfe allerdings auch nicht außen vor: zum "Selbstzweck" dürfe sie nicht werden, sondern müsse "effektive Kontrolle durch die Gesellschaft" sicherstellen, schließt der Kritiker.

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