Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2000
Ulrich Höver hat einen Verriss geschrieben, dessen milder Ton den Leser erst ein bisschen darüber täuscht, wie ernst es ihm ist. Er stellt fest, dass - entgegen der Behauptung des Autors - die schriftstellerischen Versuche Goebbels` bereits "von der Forschung untersucht" worden sind. Dass der Autor sich mit literarischen Analysen "nicht aufhält", nimmt der Rezensent noch hin, aber Michels Versuch, Goebbels als Konservativen darzustellen, dessen Ideologie im kleinbürgerlichen Milieu und der frommen Erziehung wurzele, lässt er nicht mehr durchgehen. Hier nimmt Höver den Autor fest bei den Ohren: Ob Michel denn nicht das Tagebuch von Goebbels kenne, in dem der spätere Propagandaminister erklärt hat, `dass uns noch viel weniger mit dem westlichen Kapitalismus verbindet als mit dem Bolschewismus`? Ob er nicht wisse, dass Goebbels nur bei den Kommunisten Menschen gefunden hat, `die innerlich so denken und fühlen wie wir`? Oder dass Goebbels in seiner Ablehnung der Juden fast wortwörtlich Marx zitiert? Streng erinnert er den Autor an Karl Dietrich Bracher, der schon vor Jahrzehnten darauf hingewiesen habe, dass der Nationalsozialismus ebenso revolutionär wie konservativ gewesen sei, und man deshalb auch der `unbequemen Frage nach seinen revolutionären Komponenten` nachgehen müsse. "Genau das wird immer wieder vergessen", schimpft der Rezensent.
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