Kaleb Erdmann

Die Ausweichschule

Roman
Cover: Die Ausweichschule
Park X Ullstein, Berlin 2025
ISBN 9783988160225
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Am letzten Tag der Abiturprüfungen im Jahr 2002 fallen Schüsse im Erfurter Gutenberg-Gymnasium.Der elfjährige Erzähler erlebt den Amoklauf und wird in den folgenden Wochen und Monaten Zeuge der Hilflosigkeit, mit der die Erwachsenen versuchen, den inneren und äußeren Spuren der Tat Herr zu werden.Mehr als zwanzig Jahre später tritt das Ereignis erneut unerwartet und gewaltvoll in sein Leben. Er beginnt, an einem Romanprojekt über Verarbeitung, Erinnerung und Trauma zu arbeiten, wird jedoch immer wieder vom eigenen Schreiben eingeholt:Hat er das Recht dazu, nach so vielen Jahren alte Wunden aufzureißen? Was geschieht mit Geschichten, die man hunderte Male erzählt? Immer klarer wird: Man schreibt nie nur für sich allein.In Die Ausweichschule verdichtet Kaleb Erdmann seine Erlebnisse nach dem Erfurter Amoklauf zu einem gekonnten Spiel mit Perspektiven.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.2025

Rezensent Ulrich Seidler trifft sich zum Gespräch mit Kaleb Erdmann, dessen zweiter Roman für den Deutschen Buchpreis nominiert ist: Es geht darin um den Erfurter Amoklauf 2002, den der Autor selbst als Fünftklässler erlebt hat. Die Verbindungen zwischen Autor und Romanhandlung sind für Seidler wie "Häute, die immer wieder einreißen und neu verschmelzen". Erdmann versuche, einen Zugang zum Erzählen und Erzählbaren zu finden, gegen Hemmungen anzuschreiben, sich diese Geschichte zu eigen zu machen. Der Kritiker lobt, dass der Autor über den Umweg der Fiktion eine bewegende Geschichte geschrieben hat, die sich selbst reflektiert und sich ihrer Grenzen bewusst ist - und damit vielleicht auch ein wenig Verarbeitung eines traumatischen Erlebnisses sein kann. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2025

Ein Roman über den Amoklauf in Erfurt, bei dem ein 19-Jähriger 2002 16 Menschen und dann sich selbst erschoss - tolles Thema, findet Rezensent Peter Neumann. Schade nur, dass Kaleb Erdmann nichts draus macht. Das Buch liest sich, wie der Kommissionsbericht zu dem Vorfall, stöhnt der Kritiker. Nichts neues, eigenes kann er hinzufügen. Vielleicht hat er zuviel Angst vor dem Vorwurf, die Schicksale der Getöteten auszubeuten? Neumann zuckt die Schultern, er weiß es nicht und der Autor weiß es offenbar auch nicht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.08.2025

Dieser Roman erzählt nicht nur vom Scheitern eines Romanprojekts, sondern auch von seinem Autor, Kaleb Erdmann, der als Jugendlicher den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium überlebt hat, erzählt Rezensent Jan Drees. Der Erzähler seines Romans hat die gleiche Erfahrung gemacht, lesen wir, ist seitdem traumatisiert und angstgestört. Er kämpft mit sich, ob er seine Geschichte erzählen darf, wenn er "keinen Mord und kein Blut gesehen" hat, verknüpft das mit fiktionalisierten Crime-Erzählungen à la Pitaval, am Ende scheitert sein Romanprojekt, resümiert Drees. Dass dieser Roman des Romanschreibens aber veröffentlicht wurde, ist für Drees ein großes Glück, denn er verbindet die Themen mentale Gesundheit mit Autofiktion, Kriminalität und Fragen, wie über Gewalt geschrieben werden kann, auf sehr überzeugende Weise.

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