Zweites Buch der Unruhe
Gedichte

Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783895613807
Gebunden, 96 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Noch einmal ganz an den Anfang. Buchstabieren wir die paradiesische Unschuld neu. Ein Wiedersehen mit König Midas, Scheherazade und Rilkes Panther. Sie treffen auf Nutrias, Stockenten und Nilgänse, während Barbie Plastikträume träumt und Roboter romantische Gefühle entdecken. Silke Scheuermanns neuer Gedichtband Zweites Buch der Unruhe ist nicht weniger als eine lyrische Menschheits- und Zivilisationsgeschichte von der Schöpfung bis zu den Algorithmen der künstlichen Intelligenz. Märchen und Mythos, Natur und Künstliches, Evolution und technischer Fortschritt verschmelzen zu einer wundersamen Zivilisation voll poetischer Risse, in der "unsere alte organische Spezies" trotz allem zurechtzukommen weiß. "Existieren" sei "reisen genug", befand der Hilfsbuchhalter Bernardo Soares in Fernando Pessoas modernem Klassiker, auf den der Titel anspielt. Scheuermann schickt ihn fast beiläufig um die Welt und ins Novozän.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2025
Die sprachliche Präzision von Silke Scheuermanns neuem Gedichtband, freut den Rezensenten Jan Wiele. Nicht vorläufige Skizzen, sondern "weggemeißelte" Verse wie in "Apfelmadonna", wo "leichte Mädchen/ mit Glitzer im Haar an/ der Hauptausfallstraße" plötzlich als Maria gesehen werden, entfalten für ihn eine unerhörte Bildkraft. Inhaltlich reicht der Band von Heilsgeschichte bis hin zu lyrischen Reflexionen über Künstliche Intelligenz, so Wiele. Besonders hebt er das Gedicht "Gott hat schon wieder eine Ausstellung" hervor, in dem die Menschheit mitten in einer Strophe ausgelöscht wird - "danach werde Gott, sagen Experten, voraussichtlich wieder mit Skizzen und Studien anfangen, in Kohle und Bleistift". Scheuermann, lobt der Kritiker, verbindet schwarze Ironie mit Nature Writing und endet in einer verspielten Zuwendung zu Robotern: "Sonette sind immer noch vierzehn Zeilen lang und pure Liebe."
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.08.2025
Rezensent Konstantin Ames bespricht Silke Scheumanns neuen Lyrikband, der nach langer Pause erscheint und weniger aktuelle Diskurse aufgreift als vielmehr eine poetische Innenschau pflegt. In den Gedichten geht es vor allem um innere Wirklichkeiten, Erinnerungen und eine teils melancholische, teils romantisch aufgeladene Weltsicht. Immer wieder geht es um das Verhältnis von Mensch und Maschine, meist mit einer klaren Abgrenzung vom Technologischen und einer Hinwendung zu einer kontemplativen, fast zeitlosen Innerlichkeit. Trotz Kritik an ihrer Werkpolitik überzeugt Scheuermann den Kritiker mit einer bildstarken, teils an Schwarze Romantik erinnernden Sprache, die zwischen hermetischer Weltferne und eindringlichen Momenten oszilliert und in einem Werk fortgeschrittener Kontemplation mündet, so Ames: "Sie sagten, / eine Märchengestalt hätte das Dorf erträumt. (…) Ich war in hellblauen Briefen unterwegs zu dir."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.07.2025
Rezensent Björn Hayer ist hocherfreut, dass Silke Scheuermann, die "große Pionierin des deutschsprachigen Nature Writing", einen neuen Lyrikband vorgelegt hat, der sich vor allem der Ausbeutung der Natur durch den Menschen widmet. Die Egozentrik der Menschen kommt dabei ebenso zu Wort wie die Möwe, die durch "diese eine atmende Welt" fliegt, erfahren wir. Auch Roboter dürfen ihre Perspektive einbringen: Im letzten Gedicht frage sich ein Humanoid, wann Maschinen Menschenrechte bekommen. Hayer ist vor allem durch Scheuermanns Fähigkeit überzeugt, die widerstreitenden menschlichen Positionen einzufangen und zu reflektieren, das zeugt für ihn von ihrer "poetischen Exzellenz."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 24.07.2025
Rezensentin Beate Tröger freut sich, dass nach langer Wartezeit endlich ein neuer Lyrikband von Silke Scheuermann vorliegt, der sich den drängenden Problemen der Gegenwart widmet. Vorangestellt sind Motti von Fernando Pessoa und Issac Asimov, die Gedichte befassen sich mit der menschlichen Einsamkeit, erfahren wir, aber auch mit der neuen Technik, zu der sie konstatiert: "das Durcheinander erinnert mich an mich". Zwischen Dystopie, Kapitalismus und Liebe muss sich der Mensch irgendwie finden, ist die Erkenntnis, die Tröger aus den sensiblen, kritischen und prognostisch präzisen Postulaten entnimmt.